Die Einheit liegt in der Differenz

6. Juli 2004, 13:37
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Der GAK hat den Titel gewonnen, die Austria hat ihn verloren - Beide Lesarten eines Wettbewerbes enthalten viele Wahrheiten

Wien - Die Austria konnte den 2003 locker gewonnenen Titel fast nicht verspielen, der GAK ihn gegen den kapitalstärkeren, erfahreneren, mit größeren individuellen Talenten geschmückten Meister fast nicht gewinnen. Beiden Klubs glückte das Kunststück; teilweise ist das doppelte Meisterstück auch mit sportlichen Gründen erklärbar.

Der schlecht beratene Klubmäzen und Ligapräsident Frank Stronach hört seit vier Jahren auf Ezzesgeber wie Skender Fani, Peter Westenthaler, Peter Svetits (abserviert) und Friedl Koncilia (abserviert), ließ bisher fast 60 Kicker um sauteures Geld kaufen und wieder verkaufen. Noch heute leidet die Austria unter Arie Haans Irrtümern wie Troyanski, Peters Svetits Fehlkäufen wie Akoto und Jogi Löws Missgriffen wie Dundee, Didulica und Kitzbichler.

Der GAK genießt seit 9. Oktober 2002 den Vorteil eines gestaltenden Willens. Walter Schachner wurde von GAK-Präsident Rudi Roth geholt; der Klub lag nach einer missglückten Konsolidierungsphase im Anschluss an Klaus Augenthalers Abschied am Tabellenende, die Mannschaft war so verunsichert, dass sie unfreiwillig komisch wirkte.

Schachner installierte sein von Besserwissern bespötteltes rigides 4-4-2-System, holte seinen Haberer Hannes Weninger als Sportdirektor. Kondi-Trainer Günther Simonitsch-Gorenzel, Tormanntrainer Peter Zajicek sowie Kotrainer und Physiotherapeut Klaus Schmidt arbeiten mit ihm seit Jahren zusammen. Verein und Team folgen einzig Schachners sportlichen Weisungen - die Austria folgt unzähligen individuellen Interessen, Stronach ist fallweise anwesend, erhält seine Infos aus zweiter bis vierter Hand.

Die vor eineinhalb Jahren erfolgte Einbindung der Mentalbetreuer in den Betrieb ließ den GAK vor einem Monat den entscheidenden Entwicklungsschritt setzen. Im Cup wurde Rapid, in der Liga die Austria in Wien besiegt. Während Kronsteiner mit der Austria bis zum Ende herumprobierte, lief das GAK-Werk trotz aller Ausfälle ohne Unwucht.

Auch wenn Westenthaler es in rabiatem Ton dementiert, wird doch seit Wochen in der Bundesliga das Gerücht genüsslich kolportiert, Westenthaler würde (mit dem von Transfers lebenden Grazer "Fußballer"-Anwalt Christian Flick als Personalberater und Trainer Kurt Jara) statt des Sportchefs Günter Kronsteiner installiert. In der Austria hat sich neuerem Rumor zufolge bereits eine Anti-Westenthaler-Phalanx gebildet, die angeblich nicht einmal Stronach ignorieren könnte.

Die Austria wird in jedem Fall florieren - ob das auch den Fußball inkludiert, bleibt abzuwarten. Schachner wird bis 2005 den GAK betreuen, sagen er und Präsident Rudi Roth. Schachner will die Champions League knacken und dann bei einem großen Verein regieren: beim GAK. (Johann Skocek, DER STANDARD Printausgabe 17.05.2004)

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