Von Weinen und Warzenschweinen

24. Mai 2005, 12:25
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Südafrika zwischen kulinarischen Genüssen und Tierbegegnungen.

Es tut sich was am Kap. Vor allem in Kapstadt. Sie schmiegt sich in eine große Bucht, steigt langsam an und endet unterhalb des Tafelberges. Ein lebendiges Flair, eine fühlbare Lebenslust und eine gewisse Leichtlebigkeit machen sich bemerkbar. Das läßt das Flanieren und Bummeln in einem milden Klima zum ganz besonderen Vergnügen werden.

Teile des Hafens hat man zu einem Vergnügungszentrum umgewandelt, das man als wirklich bemerkenswert hervorheben kann. Viele Restaurants gruppieren sich am Wasser, und in der Nacht hört das Leben gewissermaßen überhaupt nicht auf zu pulsieren. Touristen shoppen, schauen und schlendern in Kapstadt ungestört und unbedroht. Ist also der Aufenthalt in Kapstadt schon sehr schön und meist auch sehr erholsam, so ist es die Umgebung noch viel mehr. Es fällt einem die Wahl schwer, wohin zuerst.

Österreicher werden es nicht versäumen, den berühmten Weingütern der Region einen Besuch abzustatten. Der nützliche Hinweis dazu: Man nehme in Richtung Paarl entweder einen Bus oder noch besser ein Mietauto mit Chauffeur. Denn die Weine sind sagenhaft gut, Umgebung und Landschaft prachtvoll, und überhaupt erinnert alles sehr an daheim. Besonders nach ein paar Achterln der berühmten Rotweine wie Cabernet Sauvignon, Pinotage (eine Kreuzung aus Pinot Noir und Hermitage), Shiraz, Merlot oder Pinot Noir. Aber auch Weißweintrinker kommen auf ihre Rechnung.

Eine Fahrt die Küste entlang Richtung Kap der Guten Hoffnung präsentiert das Land als eines des mediterranen Lebensstils. Die Bewohner in Freizeitdressen, die Autos mit Surfbrettern oben drauf oder Segelbooten hinten dran. Man gewinnt den Eindruck, daß hier die Menschen vorrangig für ihre Freizeit leben.

Was natürlich überhaupt nicht stimmt, denn sie arbeiten genauso hart wie wir. Viele von ihnen wissen über ihre kommerzielle Zukunft nicht ganz genau Bescheid, andererseits ist dieses Land einfach nicht zu bereisen, ohne auch mit der unmittelbaren Vergangenheit in Berührung zu kommen.

Jeder hat so seine Vorstellungen vom Kap der Guten Hoffnung. De facto kein spektakulärer Steilabfall mit röhrender Brandungsgischt, ist es vielmehr fallweise ein sehr ruhiges, fallweise ein sehr bewegtes Meer mit Klippen und vorgelagerten Felsen. Die liegen zum Teil unsichtbar knapp unter der Wasseroberfläche, was das Navigieren in früheren Tagen zu einer Art Vabanque-Spiel mit sehr unsicherem und teils sehr gefürchtetem Ausgang machte.

Übrigens: Im Jahr 1996 kamen rund 22.000 Österreicher nach Südafrika. Aus ganz verschiedenen Beweggründen, manche wegen des „Blue Train“. Der legendäre Zug stammt aus einer Zeit so zu Beginn unseres Jahrhunderts, wo verschiedene Forscher ihre Expeditionen mit großem Komfort zu absolvieren trachteten. Der Start erfolgte mit dem „Zambezi Express“ zwischen Cape Town und Bulawayo. Dann kamen der „Diamond Express“ und die berühmte „African Queen“. 1946 wurde der Zug offiziell zum „Blue Train“. Denn vom Ticket bis zu den mit „B“ bestickten Fußmatten und den Livreen der Stewards erstrahlt alles in sattem, kräftigem Blau.

Mit diesem „König der Züge“ reist man nicht um des Reisens willen von Kapstadt nach Pretoria. Der Grund, die 26-stündige Fahrt auf sich zu nehmen, liegt im luxuriösen Ambiente, in der hervorragenden Küche nebst ausgezeichneten Weinen. Eine Garnitur besteht aus 16 Waggons in fünf verschiedenen Kategorien, 26 Mitarbeiter verwöhnen maximal 105 Passagiere.

Leute, die das Glück hatten, ein Ticket zu ergattern, denn der Zug ist auf Monate ausgebucht. Die Suiten unterteilen sich in Wohn- und Schlafraum, Badezimmer und Toilette. Die Küche bietet alles, was Südafrika an Gustostückerln zu Wasser und zu Land hervorbringt. So findet der Gast dann Ungewöhnliches wie Krokodil, Strauß und Impala auf der Speisekarte.

Stichwort Impala. Sie auf dem Teller zu sehen, macht traurig, wenn man sie aus der weiten Steppe kennt. Die grazilen Tiere gehören zum Gesamtbild einer Safari. Und eine Safari muß man ganz einfach machen. Es ist zeitig am Morgen, sehr früh wird man geweckt, sympathischerweise oft mit dem obligaten heißen Tee. Man wurde entweder eingeflogen, kommt mit einem Tagesausflug, oder im besten Fall verbringt man einige Tage im Reservat. Dann noch fest eingehüllt, die Kamera in die klammen Finger, und los geht’s. Begleitet wird eine solche Fahrt von Rangern, oft in Personalunion mit dem Chauffeur. Das ist, wie alles auf der Welt, eine Frage des Preises. Und eine Frage des Preises ist es auch, wie lange eine Pirsch dauert und in welchem Reservat oder in welcher Game-Lodge sie stattfindet.

Weniger eine Frage des Preises, sondern des Glücks sind die individuellen Eigenheiten der Mitfahrer und die Auffindung der Tiere, beides steht in einem recht direkten Zusammenhang. Temperamentvolle Leute neigen dazu, ihre Begeisterung lärmend auszudrücken und jede Tierbegegnung mit lautem Gekreische zu kommentieren. Das mindert die Trefferquote ungemein und kann recht lästig werden. Da kommt es dann zu den sattsam bekannten Safari-Fotos mit den Hinterteilen flüchtender Tiere drauf.

Die Ranger-Chauffeure sind zumeist untereinander per Funk verbunden und wissen dadurch gut, wo die Elefanten zu finden sind oder die Geparden oder gar die Löwen und das Nashorn. Garantien können sie aber auch keine abgeben. Die Erwartungen sollten also nicht zu hoch sein, sonst werden sie prompt enttäuscht. Es bleibt nur eine Gewißheit: Gazellen werden da sein, Zebras und Gnus detto, Warzenschweine sind Fixstarter und die Giraffen kaum zu übersehen. (Der Standard, Printausgabe)

Susanne Mitterbauer
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