Voraussetzung für Übernahme des Premierministerpostens - "Eine gewaltige Aufgabe liegt vor uns" - Mit Info-Grafik
Neu-Delhi - Die Vorsitzende der indischen
Kongresspartei, Sonia Gandhi, ist am Samstag in Neu-Delhi ohne
Gegenstimme zur Fraktionsführerin im neuen Unterhaus (Lok Sabha) des
Bundesparlaments gewählt worden. Das Votum galt als letzte Hürde auf
dem Weg zur Nominierung Gandhis für den Posten des Premierministers.
"Wir sind uns alle bewusst, dass eine gewaltige Aufgabe vor uns
liegt", sagte Gandhi vor den Abgeordneten ihrer Fraktion im
Parlamentsgebäude. "Der Weg ist voller Hindernisse, es gibt keinen
Anlass zu Selbstgefälligkeit", fügte sie hinzu.
Bei einer Reihe von Begegnungen vor allem mit Vertretern linker
Parteien wollte sich Sonia Gandhi am Wochenende ausreichend
Unterstützung im neuen Unterhaus sichern. Als nächsten formellen
Schritt muss die in Italien geborene Politikerin aus der
Nehru-Gandhi-Dynastie dem Staatspräsidenten Avul Pakir Jainulabdeen
Abdul Kalam ihre Bereitschaft mitteilen, den Auftrag zur
Regierungsbildung anzunehmen. Dies könnte Anfang kommender Woche
geschehen.
Die Kongresspartei hatte nach achtjähriger Opposition überraschend
die Parlamentswahlen gegen die rechtsgerichtete Koalition von Premier
Atal Behari Vajpayee gewonnen. Die Witwe nach dem 1991 ermordeten
ehemaligen Premier Rajiv Gandhi hatte es zunächst offen gelassen, ob
sie das Amt des Regierungschefs übernehmen würde, und wollte die
Entscheidung den Parlamentariern ihrer Partei überlassen.
Von den 57 Jahren der Unabhängigkeit Indiens regierte die
Kongresspartei (1885 als "Indian National Congress" gegründet) 44
Jahre. Drei ihrer bisher fünf Premierminister gehörten der Familie
des Unabhängigkeitsführers Jawaharlal Nehru an - dessen Tochter
Indira Gandhi und deren Sohn Rajiv Gandhi, die beide Mordanschlägen
zum Opfer fielen. (APA/AP)