Giraffen auf der Flucht

25. Mai 2005, 11:46
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Auf Safari im kenianischen Hochland : Über liebestolle Nilpferde, idyllische Elefantenherden und das Phänomen des Volksmundes.

Leider fällt die Mitternachtseinlage im Mara Buffalo Camp auf dem Hochplateau der Masai Mara diesmal aus. Voriges Jahr nämlich tobte hier ein liebestolles männliches Nilpferd seiner Angebeteten mitten durch die voll besetzte Restaurant-Terrasse am Fluss nach und machte diese zu Kleinholz. Liebe macht vor gar nichts Halt. Allerdings empfehlen sich hier im eine Flugstunde von Nairobi entfernten und mitten im heutigen Nationalpark gelegenen, ehemaligen Großwildjäger-Camp auch weiterhin keine nächtlichen Spaziergänge. Wenn es dunkel wird, grasen die im Übrigen durchaus aggressiven Vegetarier gewöhnlich mitten in der Hotelanlage. They were here, before you were born.

Nicht nur aus diesem Grund sollte man nachts möglichst früh eine Mütze Schlaf nehmen und die Tür der kleinen Bungalows gut verschließen. Nachdem man mit Jeeps von einem "Original Masai Barbeque" und fast originalen Krokodil-Steaks, inklusive einer "Original Masai Disco", in der Hotelbedienstete Open air in Original-Tracht Stammestänze aufführen, durch die unter dem Sternenzelt doch eher sehr gleich aussehende und deshalb zu länglichen Irrfahrten einladende Pampa zurückgebracht wurde. Morgens beim ersten sich vor dem Morgen grauenden Elefantentrompeter geht es schließlich auf Frühpirsch in die kenianische Flora und Fauna. Und diese hat nicht nur hämisch prustende Nilpferde zu bieten.

Während man sich also in geländegängigen Fahrzeugen ordentlich durchruckeln lässt, traben einem hier dann idyllische Elefantenherden entgegen, erlebt man Gnus auf der Flucht vor Spiegelreflexkameras - oder hindert man Giraffen und Zebras bei der Nahrungsaufnahme. Mit etwas Glück dräut am Wegesrand dann auch der stolze Leu. Und mit noch mehr Fortune kann man unter einem einsamen Baum mit einer Wagenburg aus sechs Jeeps auch ein seltenes Geparden-Pärchen einkesseln und es dabei betrachten, wie es eine Hyäne mit morgendlichen Nicht-einmal-ignorieren-Blicken verscheucht. Durch die Globalisierung wird es über die Luftbrücke des Massentourismus auch für die scheusten Wildtiere eng.

Dies wird einem auch spätestens dann klar, wenn man mit seiner Reisegruppe einen Safari-Stopp einlegt und ein Masai-Dorf besucht. Wenn dort nämlich Volkesmund - und Volkesmund ist bei solchen Reisen immer dabei - das seit Jahrhunderten stillstehende Leben im Gral damit kommentiert, dass diese Menschen nicht einmal wüssten, wie alt sie seien, immerhin habe er nachgefragt, weiß man spätestens eines: Es ist ganz egal, wo man hinfährt, man bleibt doch immer zu Hause.

Dass der große Boom der 80er-Jahre wegen anderer Modedestinationen längst abgeflaut ist, macht sich spätestens in den Hotels an der Küste um die Hafenstadt Mombasa bemerkbar. Diese dienen noch immer als Ausgangspunkte für diverse Safaris ins Hochland. Teilweise mussten hier allerdings Betriebe geschlossen werden, beziehungsweise in Billigsdorfer-Herbergen für leider grundsätzlich anderweitig am Land und vor allem an seinen Bewohnerinnen interessierten Sexgöttern aus dem Norden umgewandelt werden. Mit einem seriösen Veranstalter wird man von diesem ungustiösen Phänomen allerdings nur peripher berührt werden. (Der Standard, Printausgabe)

Von Christian Schachinger
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