Abendliches Eldorado

20. Oktober 2005, 14:04
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Florida - feriale Herausforderung für jeden Geschmack.

Autofahren ist vergnüglich, sobald man aus den Ballungzentren draußen ist. Völlig ungewohnt für Mitteleuropäer, niemand überholt, weil alle brav ihre 80-100 kmh dahinzockeln. Und die an der Straße situierten Delis und Diners sind genauso wie man sie aus amerikanischen Filmen kennt. Ältliche Kellnerinnen, meist rosarot gewandet, die sicher ein schweres Lebensschicksal zu tragen haben.

Der "key lime pie" ist eine kulinarische Offenbarung in einem Land, das nicht reich ist an kulinarischen Offenbarungen. Auf einer bröseligen Unterlage eine köstliche Zitronen-Rahm-Creme-Mischung. Sonnenuntergänge sind anderswo auch schön. Den größten Aufwand damit macht Key West. Allabendlich ein jahrmarktähnliches Spektakel mit Künstlern, Wahrsagerinnen und Artisten. Am Wasser ziehen antik-aufgetakelte Segelboote vorbei, Motorboote, Water-Scooters, Kanus und Möwen. Doppeldecker-Flieger zeigen ihre Kunststücke. Am Mallory Pier wartet die Menge bis es soweit ist. Auf der danebenliegenden Terrasse des Hilton-Hotels ist es ruhiger und auch gratis. Dann ist man entweder enttäuscht oder begeistert. Die Natur macht Gott sei Dank noch immer was sie will.

Key West ist eine Sehenswürdigkeit wie Carcasson oder Krumau. Fast unberührtes karibisch-englisches Flair in tropischen Gärten und pastellfarben bemalten Holzhäusern. In einem von ihnen in der Duval -oder Eatonstreet zu wohnen ist reizvoller als jedes Luxushotel. Im touristischen Zentrum aberhunderte T-Shirt-Shops, ein paar Schritten dahinter, Ruhe, Muße, Galerien und Krimskrams-Läden.

Die Keys haben ihr Umweltproblem, was weiter nicht verwunderlich ist. Zu wenige Schutzzonen, 4 Mio. Touristen jährlich, zu viele Zuwanderer, exzessive Verbauung, massive Teuerungen, teilweise völlig verbaute Ufer, jeder zumindest ein Boot am Strand und ein Auto vor der Tür. Vizepräsident Al Gore verspricht von oben herab Abhilfe, die Bewohner - genannt Conchs, nach dem schönen und wohlschmeckenden Muscheltier - wollen sich nicht von oben herab behandeln lassen. An der Straße supermarktähnliche Geschäfte mit abertausenden Schnecken, Muscheln, Korallen Seepferdchen. Viele von ihnen vom Aussterben bedroht, liegen sie hier getrocknet, versteinert und mit Lack auf Haltbarkeit gespritzt und warten auf Abnehmer.

South Beach Miami ist eine Ansammlung attraktiver Art-Deco-Hotels davor ein endloser Sandstrand und ein schön-ruhiges Meer. Eine Ansammlung von In-Cafés und teuren Geschäften vermischt mit Baustellen und kubanischen Ramschläden. Die Mehrzahl der Menschen hier ist, im Gegensatz zu Miami Beach, jung, schön, cool, und super drauf. Sie rollen auf Skatern durch die Gegend und fahren pastelfarbene Cabrios. Die Männer sind atemberaubend attraktiv, trotzdem ist das hier beileibe kein Eldorado für alleinreisende Damen.

Von Susanne Mitterbauer
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