Markus Rogan: Übersiedlung machte den Meister

5. Dezember 2004, 23:47
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Der lange Weg des Markus Rogan vom schlampigen Schwimm-Talent zum Europameister

"Ich will", sagt Markus Rogan, "im Wettkampf eine Gaude haben. Schwimmen kann ich eh schon." Fürwahr, bei der EM in Madrid hat sich Rogan mit Gold und Silber geschmückt, am Samstag schwebt ihm auf der Paradestrecke (200-m-Rücken) die dritte Medaille vor.

Gemeinsam mit Mirna Jukic und Maxim Podoprigora schwimmt Rogan (22) auf jener Erfolgswelle, die 1996 von der Olympiafünften Vera Lischka auf die Reise geschickt wurde. Dahinter steckt das System des Schwimmverbands (VÖS), kein eigenes System zu verfolgen. Jeder Aktive wird individuell betreut und geht seinen eigenen Weg.

Rogans Weg begann in einem Urlaub und in einem Club Med, Markus war sechs Jahre alt und "mehr im Wasser als draußen". Daheim in Wien führte ihn der Vater erst zur Anmeldung beim Schwimmverein ASV und dann regelmäßig zum Training. Das Talent wurde erkannt, es war zunächst ein schlampiges. "Oft bin ich zu spät gekommen und dafür früher gegangen", sagt Rogan, "und dazwischen war ich zweimal am Klo."

Der Weg führte weiter und führte weit weg, über ein wirklich großes Wasser. Markus' Mutter hatte noch einmal geheiratet, und als der Bub 14 war, übersiedelte die Familie nach Washington, wo der Stiefvater als ZDF-Korrespondent tätig war. Drei Jahre später zogen die Eltern mit vier Geschwistern wieder nach Wien, Markus blieb, zog bei einem Freund ein, schloss die Highschool ab. Er schwamm mittlerweile richtig gut und schnell, konnte sich ein Uni-Stipendium aussuchen und entschied sich für Stanford, nicht des Sommers oder Kaliforniens wegen, sondern "weil Sport und Academia dort am besten vereint werden".

Stanford verlangt als Gegenleistung gute Noten und Zeiten, man misst sich sportlich mit anderen Unis, zählt im Schwimmen zur US-Elite, Rogan hat die Erfolge gemehrt. Längst ausgewachsen - 96 Kilogramm verteilen sich auf 1,98 Meter - vergleicht er sich auch im Training mit anderen Topschwimmern, sein Coach Skip Kenney ist weltweit anerkannt. Hält sich Rogan daheim auf, wird er von Robert Michlmayr betreut, zu dessen Klub SV Schwechat er übersiedelte. In Kalifornien, wo er im Juni sein Studium ("eine Kombi aus Politikwissenschaft und Wirtschaft") abschließt, kehrt er gern, auch aus politischem Bewusstsein, den Europäer hervor - in Österreich dafür forciert er "amerikanische" Eigenschaften. "Wie die Überzeugung, dass man hoch hinauskommen kann, wenn man es versucht."

Die Kurve zeigt nach oben, im August finden in Athen die Olympischen Spiele statt, mit Rogan ist über 200-m-Rücken zu rechnen. Auf die 200-m-Lagen muss er als Europameister verzichten, die Termine kollidieren, die Belastung wäre zu groß. Und dem Erfolg wird alles untergeordnet, er bereitet am Ende die größte Gaude. (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 14. Mai 2004, Fritz Neumann)

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    Markus Rogan

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