Bronzemedaille für Mirna Jukic

5. Dezember 2004, 23:47
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18-jährige Österreicherin gewann in Madrid über 100 Meter Brust ihre erste Langbahn-Medaille

Madrid - Mirna Jukic hat am Mittwoch eine neue Seite von sich gezeigt. Die meisten ihrer bisherigen Erfolge hatte die Wienerin von vorne weg erzielt, der Rest des Feldes war ihr vom Start an hinterher geschwommen. Nun gewann sie aber mit EM-Bronze über 100 m Brust erstmals eine Medaille, nachdem sie im Vorlauf und Semifinale als Sechste bzw. Fünfte jeweils einige Konkurrentinnen ziehen lassen musste. Das zeugt von Kämpfer-Qualitäten, von denen Jukic im Kampf um die Podestplätze bisher nur selten Gebrauch machen musste.

Hektik als Feind der Technik

Nur bei den Weltmeisterschaften im vergangenen Juli in Barcelona war sie in einer ähnlichen Lage. Mit Rang fünf über 200 m Brust blieb sie ohne Medaille und wurde nicht einmal beste Europäerin, zumindest daran wäre ihr einiges gelegen. Die schönen langen und gleichmäßigen Züge kamen damals nicht so perfekt wie sonst, Hektik verunstaltete ihre Technik. Trainer-Vater Zeljko Jukic kannte die Ursache. "Wenn Mirna nicht an der Spitze liegt, schwimmt sie nicht mehr ihr Rennen und verfällt in Fehler", sagte der Coach damals.

Die Situation in Barcelona war für Jukic ungewohnt gewesen, da sie in der Vorbereitung für die Titelkämpfe zwar viele Rennen geschwommen, aber nie auf eine ihrer größten WM-Konkurrentinnen getroffen war. Das gab zwar Siege am Fließband und eine große Erwartungshaltung in der Heimat, aber im Endeffekt nicht einmal "Blech". Vater Jukic plädierte bei seiner Tochter fortan für Renneinsätze mit starker internationaler Beteiligung, damit quasi der Ernstfall geprobt wird. Doch das hatte sich nicht ergeben.

Denn beim Kurzbahn-Weltcup im Winter blieben die erhofften ganz starken Gegnerinnen aus, etliche der Asse befanden sich bereits in der intensiven Olympia-Vorbereitung und verzichteten auf Starts in der Preisgeld-Serie. Dennoch schaffte es Jukic nun, trotz ungünstiger Ausgangslage Ruhe zu bewahren und einen Podestplatz zu erreichen. Diese neue kämpferische Komponente muss also einerseits in ihrer Schwimm-Entwicklung begründet sein, zum anderen ist es wohl ein Zeichen einer größeren menschlichen Reife der seit April 18-Jährigen.

Rosige Aussichten

Diese positive EM-Erfahrung kommt für die Gymnasiastin gerade recht, sind die Europameisterschaften doch die letzten Titelkämpfe vor den Olympischen Spielen in Athen. Dort wird die bisher insgesamt dreifache Europameisterin wie in Barcelona wieder vor der Situation stehen, einem ungeheuer starken Feld Paroli bieten zu müssen. Wenn sie dann abermals ruhig bleibt, wie sie es in Madrid auf dem Weg zu ihrer ersten Langbahn-EM-Medaille über 100 m Brust getan hat, sind ihre Erfolgsaussichten rosig. (APA)

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