Neue teure Privatuni lehrt Design

26. Juli 2004, 12:09
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Um 4900 Euro pro Jahr soll in St. Pölten ab Herbst industrienah ausgebildet werden - für einen sehr kleinen heimischen Markt

Groß sind die Versprechungen einer neuen Design-Privatuniversität in St. Pölten. Um 4900 Euro pro Jahr soll dort ab Herbst industrienah ausgebildet werden - für einen sehr kleinen heimischen Markt, wie eingewendet wird.


St. Pölten/Wien - Barry Newson hat hoch gesteckte Ziele. Die heimische Designerszene müsse danach trachten, "dort anzuknüpfen, wo sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts - Stichwort: Wiener Werkstätte - gestanden ist", meint der künftige Leiter der St. Pöltener New Design University.

Seine neue, von der niederösterreichischen Wirtschaftskammer mit Startkapital ausgestattete Privatuniversität, deren Zulassungsansuchen derzeit beim Akkreditierungsrat liegt, werde mithelfen, dieses ehrgeizige Ziel umzusetzen: "Wir werden ein zweijähriges Baccalaureat-Studium zum Designer mit Schwerpunkt Innenarchitektur anbieten", erläutert Newson, der schon jetzt dem berufsbegleitenden Design Center St. Pölten des Wirtschaftsförderungsinstituts (Wifi) vorsteht.

Das neue Uni-Konzept wurde von der Londoner Kingston University mit derzeit 16.500 Studierenden in Lizenz übernommen. Die österreichische Kleinversion wird vorerst 24 bis 30 Studierende jährlich umfassen, die je einen Studienbeitrag von 4900 Euro pro Jahr bezahlen. Newson: "Das ist nicht wenig, aber dafür wird die Ausbildung betont industrienah und intensiver als an den öffentlichen Universitäten sein".

Mit diesen, so ergänzt er rasch, stehe er in "exzellentem Einvernehmen": Eine Darstellung, die Marcus Bruckner von der Abteilung Industrial Design Paolo Piva der Universität für angewandte Kunst, nicht zurückweist. Tatsächlich würden Vertreter der Ausbildungsstätten in Wien, Linz und Graz danach trachten, Doppelgleisigkeiten mit den St. Pöltnern zu verhindern".

Die Probleme der heimischen Designer jedoch werde auch die New Design University nicht beseitigen können: Während es nämlich eine "starke Nachfrage nach guten Leuten bei internationalen Firmen etwa im Möbelbereich" gebe, hätten "die vielen heimischen Klein- und Mittelbetriebe den Wert eines Designers noch nicht erkannt": In Österreich, so Bruckner, würden Designer ausgebildet, aber in der Regel nicht beschäftigt. (DER STANDARD, printausgabe vom 11.5.2004)

Von
Irene Brickner

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