Silicon Sunshine

Redaktion
19. Juli 2007, 14:40

Ausflugsziel Silicon Valley: High Tech Attraktionen und Sonnenschein.

Silicon Valley, amerikanisches Ballungszentrum der Computerwelt. Weltbekannt. Weltberühmt. Von hier aus begann der Siegeszug von bits und chips, von Mikroprozessoren und Internet rund um den Globus. Diesen Ruf will sich San Jose, größte Stadt der Region, zunutze machen. Die selbsternannte Hauptstadt des Valley bemüht sich seit kurzem, Touristen anzulocken. "Jeder kennt Silicon Valley, und immer mehr Besucher wollen die Einzigartigkeit des Gebiets erfahren", sagt Leonard Hoops, Sprecher des San Jose Convention & Visitors Bureau. "Was San Jose in den letzten Jahrzehnten erlebt, ist ein digitaler Goldrausch ohne Crash."

Aber wie lässt sich die moderne Goldgräberstimmung besichtigen? Ist eine Gegend ohne Naturschauspiele, eine Stadt, deren ältestes Gebäude im Jahre 1777 erbaut wurde, nicht gänzlich untauglich für Tourismus? Selbst wenn die Einzigartigkeit des Valley in den Köpfen der Programmierer liegt, ziehen futuristische Firmengebäude mit imposanten Spiegelfronten die "geeks" an wie Elvis-Fans die Plattenstudios von Memphis. Von den Randgebieten der Cyberworld kommend sind sie beeindruckt vom digitalen Nabel der Welt. Viel zu sehen bekommen sie allerdings nicht, denn Software-Giganten fürchten Industriespionage wie der Teufel das Weihwasser und weisen neugierige Besucher höflich, aber bestimmt ab: "Sorry, Eintritt nur für Mitarbeiter."

Einige findige Firmen wie Intel, Apple, Silicon Graphics, Hewlett-Packard und 3com haben zwar mittlerweile auf die Tech-Touristen reagiert, und haben "Visitor Centers" eingerichtet - so kann der eigene Mythos gefeiert, die Neugier der Computer-Freaks in wohlwollende Bahnen gelenkt und manch digitales Merchandising-Souvenir erstanden werden. Weiter als auf eigene Faust kommt der Besucher jedenfalls mit Hilfe von Insidern. Seit Oktober 1998 gibt es "tech tours", organisierte Pilgerfahrten für jeweils vier bis zehn Personen zu allen wichtigen Meilensteinen des Silicon Valley. Eine optisch unscheinbare, aber kultige Hauptattraktion der digitalen Butterfahrten sind jene vielzitierten Garagen, aus denen in schwindelerregend kurzer Zeit elektronische Riesen wie Apple und Hewlett-Packard wuchsen.

Sie stehen für die moderne Version des amerikanischen Tellerwäscher-Mythos. In ihren "tech tours" beginnt die Inhaberin Debora Lynn jede Exkursion damit, einen Blick auf den berühmtesten Holzschuppen der Welt zu werfen - die Geburtsstätte von Hewlett-Packard ("Sorry, die Garage von Apple ist geheim. Die Adoptiveltern von Steven Jobs wohnen da noch."). Für Ortsunkundige ist das unscheinbare Häuschen inmitten der biederen Vorstadt leicht zu übersehen, obwohl eine glänzende Messingtafel auf die offiziell eingetragene kalifornische Sehenswürdigkeit Nummer 976 aufmerksam macht. 1938 bauten hier William Hewlett und David Packard einen so genannten Audio-Oszillator zusammen, das erste erfolgreiche Produkt ihrer späteren Weltfirma Hewlett-Packard.

Die Kultfirma schlechthin ist für die meisten Besucher allerdings Apple. Hätten Steve Wozniak und Steven Jobs in den 70er Jahren nicht den ersten Personal Computer in jener geheimgehaltenen Garage zusammengeschraubt, das Silicon Valley wäre nicht das gelobte Land all der nachfolgenden risikobereiten junger Technikträumer geworden, die das Gesicht der Welt veränderten.

Im frisch renovierten Intel-Museum erfährt der Besucher zwar nichts über den spannenden Rechtsstreit des Chip-Herstellers mit Microsoft, dafür gibt's umso mehr Selbstbeweihräucherung mit ausführlichem Kinderprogramm. Der lebensgroße Astronautenanzug, in den die Arbeiter bei der Mikrochip-Herstellung schlüpfen und der allgemein als "Bunny-suit" (Häschen-Anzug) verniedlicht wird, imponiert nicht nur kleinen Gästen. Und am Ende des Rundgangs wissen die Besucher alles, absolut alles über Mikroprozessoren - deren wichtigster Inhaltsstoff Silizium (silicon) dem ehemaligen landwirtschaftlichem Gebiet seinen Namen gab.

Insgesamt dauert die Fahrt durchs 100 Kilometer lange Tal südlich von San Francisco eine Stunde. Ein Fünftel der 100 größten High-Tech-Unternehmen der Welt haben ihren Sitz rechts und links vom Highway 101, und nirgendwo auf der Welt konzentrieren sich große Namen auf so kleiner Fläche wie hier, im Tal der Computer-Könige. Absolutes Pflichtprogramm in San Jose ist das "tech museum of innovation", die Hauptattraktion, mitten in der Stadt. Dieses Mega-Museum, liebevoll "the tech" genannt, lässt alle virtuellen Zaubertricks der Menschheit bewundern, die die Technologie hervorgebracht hat - virtuelle Hässlichkeiten wie Genmanipulation und Rüstung ausgeklammert oder hübsch verpackt. In Themengalerien lassen sich Fahrräder, Achterbahnen, Gallensteinoperationen und unzählige andere Faszinationen simulieren.

San Jose ist und bleibt eine typisch amerikanische Stadt. Das muss man mögen. Ohne Mietwagen ist man gezwungen, sündhaft teure Taxi-Dienste in Anspruch zu nehmen oder das miserable System öffentlicher Transportmittel kennen zu lernen. Aber glücklicherweise liegt San Jose in Kalifornien - meteorologisch bedeutet das durchschnittlich 300 Sonnentage im Jahr. Ein weiteres Argument für einen Besuch kommt von der FBI-Statistik: Sie führt San Jose seit zehn Jahren als sicherste Großstadt der USA. (Der Standard, Printausgabe)

Von Karin Lochner
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1 Posting

Das SV begann, und ist es noch heute hauptsächlich, als Zentrum der Rüstungsindustrie. Vielleicht haben Sie das übersehen, weil es nicht touristisch ausgeschildert ist ;o)

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