Obsorge nach Scheidung erschweren

16. Juni 2004, 15:56
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Familienrichter Mauthner will Anträge auf alleinige Obsorge abschaffen - Bei gewalttätigen Vätern sei Besuchsrecht entscheidend

Der Vorsitzende der österreichischen FamilienrichterInnen, Franz Mauthner, tritt dafür ein, dass in Zukunft bei einer Scheidung kein Antrag auf alleinige Obsorge mehr möglich sein soll. In der jüngsten Ausgabe der österreichischen Frauenzeitschrift "Welt der Frau" betont Mauthner, dass Scheidung für einen Elternteil nicht Aufhebung der Vater- oder Mutterschaft bedeuten könne, denn "Eltern bleibt man ein Leben lang". Sogar bei gewalttätigen Vätern kann sich der Familienrichter die gemeinsame Obsorge vorstellen, denn diese dürfe nicht gleichsam als Strafe entzogen werden. "Da ist das Besuchsrecht entscheidend, nicht die Obsorge", meint der Familienrichter. Auch dem gewalttätigen Mann müsse wie allen Vätern bewusst gemacht werden, dass er sich um sein Kind kümmern muss.

Derzeit kann die alleinige Obsorge jederzeit von einem Elternteil beantragt werden. Selbst bei rund 40 Prozent der einvernehmlichen Scheidungen wird alleinige Obsorge vereinbart. Für den Linzer Rechtsanwalt Dr. Günter Tews ist deshalb die gemeinsame Obsorge zu leicht aufkündbar. Er setzt sich mit seinem "Verein für das Recht des Kindes auf beide Eltern" für einen erschwerten Zugang zur alleinigen Obsorge ein.

"Männerrechte über das Wohl des Kindes"

Die ÖVP/FPÖ Regierung hatte die gemeinsame Obsorge nach einer Scheidung eingeführt. Für die Wiener Rechtsanwältin Dr.in Helene Klaar wurden damit "Männerrechte über das Wohl des Kindes" gestellt. Gemeinsam mit anderen ExpertInnen, Fraueninitiativen und Beratungsstellen engagiert sich Klaar in der "Plattform für das Recht des Kindes auf klare Verhältnisse nach der Trennung". Diese Initiative bietet via Internet Informationen zu diesem Thema an und unterstützt vor allem Frauen bei der Erstellung von Anträgen auf alleinige Obsorge.

Drei Jahre nach ihrer Einführung ist die gemeinsame Obsorge nach wie vor umstritten. Im Mai-Heft von "Welt der Frau", Österreichs ältester und nur im Abonnement erhältlichen Frauenzeitschrift, erörtern ExpertInnen den Machtkampf ums Kind und schildern Betroffene ihre persönlichen Erfahrungen. (red)

  • Derzeit kann die alleinige Obsorge von einem Elternteil beantragt werden.
    foto: standard/matthias cremer
    Derzeit kann die alleinige Obsorge von einem Elternteil beantragt werden.
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