Mathematik-Standards nach Gehrer

1. Juli 2004, 22:37
86 Postings

Was SchülerInnen in der achten Schulstufe wissen sollten - Testphase ab Herbst - Experten: Anforder­ungen bisher zu hoch

Wien - Der Startschuss für die Testphase der ersten Bildungsstandards fällt im Herbst. Dann sollen 100 Schulen die von einer Steuerungsgruppe entwickelten Mathematik-Standards bzw. Testaufgaben erproben, betonte Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) am Montag bei einer Pressekonferenz.

Gute Nachricht für die Schüler: Die Ergebnisse der Tests werden nicht in die Benotung einfließen, und der Schwierigkeitsgrad wird nicht jenem einer Schularbeit entsprechen. Auch Lehrer haben aus schlechten Resultaten ihrer Klasse keine unmittelbaren Konsequenzen zu befürchten.

Minimal- oder Maximalanforderungen

Mit den Bildungsstandards soll festgelegt werden, welche Kompetenzen die Schüler an den so genannten "Nahtstellen" des Bildungswesens (v.a. also in der vierten Klasse Volksschule und der vierten Klasse AHS bzw. Hauptschule) in den Kernbereichen eines Unterrichtsfachs erworben haben sollen. "Das sind keine Minimal- oder Maximalanforderungen", so Gehrer. Vielmehr werde definiert, was der größte Teil einer Klasse an Kompetenz und Wissen aufweisen müsse. Abgefragt werde nicht nur Wissen an sich, sondern auch, ob die Schüler dieses etwa bei Textaufgaben anwenden könnten.

Drei Dimensionen

Das von Experten entwickelte Kompetenzmodell enthält drei verschiedene Dimensionen: Allgemeine mathematische Kompetenzen (Modellbilden, Darstellen - Operieren, Rechnen - Interpretieren und Dokumentieren - Argumentieren und Begründen ), inhaltliche mathematische Kompetenzen (Arbeiten mit Zahlen und Maßen - Arbeiten mit Variablen und funktionalen Abhängigkeiten - Arbeiten mit Figuren und Körpern - Arbeiten mit statistischen Kenngrößen und Darstellungen) sowie unterschiedliche Anspruchsniveaus (geringe, mittlere und höhere Komplexität). Die Standards sind dann als "Ich kann"-Sätze formuliert ("Ich kann begründen, warum etwas falsch ist" als allgemeine Kompetenz oder "Ich kann Prozentrechnen" als inhaltliche Kompetenz).

Langfristige Kompetenz wird geprüft

"Echt neu ist, dass wir damit die langfristige Kompetenz der Schüler überprüfen", betonte Helmut Heugl, Didaktik-Lehrbeauftragter an der Technischen Universität Wien. Bisher sei man eher gewohnt gewesen, nur die kurzfristigen Kompetenzen bis zur nächsten Schularbeit zu überprüfen. Bei den Aufgaben würden etwa auch die bei Schularbeiten in der vierten Klasse meist nicht mehr gefragten Bruchrechen-Kenntnisse aus der zweiten Klasse abgetestet. Daher werde der Schwierigkeitsgrad geringer sein als bei den "echten" Schularbeiten. "Wir müssen bescheidener werden bei den Anforderungen", so Heugl.

Rund 30 Aufgaben entwickelt

Bis jetzt haben die Experten rund 30 Aufgaben entwickelt. Nach der für rund zwei Jahren anberaumten Testphase würden aber mindestens 500 benötigt, so Heugl.

Verbesserungsmöglichkeiten gesucht

Die 100 Pilotschulen sind verpflichtet, Rückmeldungen über die Tests zu geben. Ihnen steht auch frei, welche Konsequenzen sie aus den Ergebnissen ziehen. Es sei aber "erste Aufgabe des Direktors", mit den Pädagogen darüber zu diskutieren und eventuelle Verbesserungsmöglichkeiten aufzuzeigen, so Gehrer.

30 Prozent sollen getestet werden

Im "Endausbau" sollen rund 30 Prozent eines Altersjahrgangs getestet werden. Die Direktoren erhalten dann die Auswertungen ihrer Schule zur Verfügung gestellt, die Lehrer jene ihrer Klassen und die Schüler neben den Einzelergebnissen (z.B. 90 Prozent der Aufgaben mit geringer Komplexität gelöst, 60 Prozent der Aufgaben mit mittlerer Komplexität etc. ) ein Stärke-Schwäche-Profil der einzelnen Kompetenzen (z.B. Rechnen geht ganz gut, Probleme bestehen aber bei der Argumentation). Schulrankings will Gehrer damit nicht erstellen, angedacht ist aber eine Ausweitung der Tests neben den Hauptfächern Deutsch, Mathematik und Englisch auf die Naturwissenschaften.

Die ersten Standards für Deutsch und Englisch (8. Schulstufe) sollen im Herbst 2004, jene für Deutsch und Mathematik für die 4. Schulstufe im kommenden Jahr vorliegen. (APA)

  • Bildungsministerin hat erste Beispiele für Bildungsstandards präsentiert
    montage: derstandard.at

    Bildungsministerin hat erste Beispiele für Bildungsstandards präsentiert

Share if you care.