Studenten als Kunden der Hochschulen

14. Juli 2005, 14:12
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Österreichs Universitäten können von den Fachhochschulen einiges lernen. Serviceorientierung, Internationalisierung und Kooperationen lauten die Schlagworte

Doch noch immer gibt es zu wenige Studierende ohne Matura an Fachhochschulen.

"Universitäten und Fachhochschulen sollten intensiv miteinander kooperieren", forderte der Vizepräsident der Fachhochschulkonferenz, Helmut Holzinger, unlängst bei einem von der Fachhochschule des bfi Wien organisierten Symposiums zum Thema "Durchlässigkeit an Österreichs Fachhochschulen".

Holzinger ist zugleich Geschäftsführer der FH des bfi Wien und spricht aus seiner Erfahrung. "Der gesetzliche Auftrag der Fachhochschulen und der Universitäten ist ein wissenschaftlich orientierter. Beide Institutionen könnten eigentlich viel voneinander lernen." Holzinger spricht dabei die Themen Serviceorientierung, Evaluierung und Kostenmanagement an. Denn: Die Studierenden seien eigentlich als Kunden der Hochschulen zu betrachten - daher müsse man sie auch als solche behandeln.

Weiters solle man als Hochschule mit dem Lehrprogramm immer am Puls der Zeit bleiben und neueste Trends aufgreifen. Und zu guter Letzt ist der Experte überzeugt, dass auch in Sachen Finanzierung im universitären Bereich "noch einiges herauszuholen sei".

Wichtig sei für Holzinger auch das Thema Vernetzung. Und zwar müsse man vor allem in der Lehre und Forschung die internationalen Kontakte verstärken. Er sieht jedoch auch Kooperationen mit Industrie und Wirtschaft von besonderer Bedeutung. "Die Synergien, die sich aus der Zusammenarbeit wissenschaftlicher Institute mit den Forschungsabteilungen international tätiger Konzerne ergeben, sind besonders wertvoll."

Zunehmend ortet Holzinger auch "Abschottungstendenzen" mancher Universitäten gegenüber den Fachhochschulen (FH). So würden FH-Studenten, die ihr Studium an einer Universität fortsetzen wollten, dort zum Teil einer "restriktiven Anerkennungspraxis" gegenüberstehen - manchmal müssten sogar Prüfungen nachgemacht werden, was die Ausbildung verlängere.

Nach wie vor stark unter- repräsentiert seien Studenten, die ohne einen Matura-Abschluss an den FHs studieren. Seit dem Aufbau des FH-Sektors vor zehn Jahren kommen mindestens 90 Prozent der FH-Studenten über AHS- oder BHS-Matura an ihren Studiengang.

Studium ohne Matura

Der Anteil der Studierenden ohne Reifeprüfung beträgt hingegen nur sechs Prozent - obwohl eine der Intentionen der Schaffung von FHs ursprünglich die Ermöglichung eines Hochschulstudiums für breite gesellschaft- liche Schichten war.

Immerhin seien "27 Prozent aller FH-Studiengänge so organisiert, dass sie von Berufstätigen besucht werden können", sagte Claus Raidl, Präsident des Fachhochschulrates. Er wies darauf hin, dass der FH-Rat bei seiner Bewilligungspraxis die Vereinbarkeit von Beruf und Studium noch stärker beachten wird.

Derzeit stehen rund 17.000 Bewerbern nur 7000 Anfängerstudienplätze an den Fachhochschulen zur Verfügung. Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel forderte, dass ein Viertel der Studienanfänger an einer FH beginnt, das wären gut 10.000 Plätze für Anfänger bis zum Jahr 2010. (Der Standard, Printausgabe 8./9.5.2004)

Von Judith Grohmann
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