New Yorker: Genfer Konventionen "routinemäßig verletzt"

21. Juli 2004, 14:33
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"New Yorker" veröffentlicht neue Vorwürfe mit Bild - Bisher unveröffentlichte Aufnahmen sollen noch schlimmer sein

Washington - Die Vorwürfe im Skandal um die Misshandlung irakischer Häftlinge haben sich am Wochenende ausgeweitet. Pulitzer-Preisträger Seymour Hersh berichtet in der neuesten Ausgabe vom "New Yorker", das Fotografieren von Häftlingen in Afghanistan und im Irak scheine nicht zufällig gewesen zu sein, sondern Bestandteil eines entmenschlichenden Verhörprozesses.

Blutende Wunden

Das Blatt veröffentlichte am Sonntag auch ein neues Foto, auf dem ein nackter irakischer Gefangener von einem Militärhund bedroht wird. Der Gefangene hat blutende Wunden.

Nach Angaben des Blattes soll auf anderen bisher noch nicht veröffentlichten Aufnahmen zu sehen sein, wie ein Gefangener fast zu Tode geprügelt, eine inhaftierte Frau sexuell missbraucht wird und wie "unangemessene Handlungen" mit einer Leiche ausgeführt werden. Mindestens ein Häftling soll an den Folgen des Verhörs gestorben sein.

Der "New Yorker" hatte als erstes amerikanische Medium aus dem als geheim eingestuften Armee-internen Untersuchungsbericht von US- General Antonio Taguba zitiert. Danach sollen Aufklärungsoffiziere und Mitarbeiter des Geheimdienstes CIA die Militärpolizisten aufgefordert haben, physisch und psychologisch vorteilhafte Voraussetzungen für Verhöre von Zeugen zu schaffen. Taguba zeichne ein Bild von dem Militärgefängnis, in dem Militärvorschriften und die Genfer Konventionen routinemäßig verletzt worden seien, so das Blatt.

"Es wird noch schrecklicher"

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hatte sich am Freitag bei den von US-Soldaten misshandelten irakischen Gefangenen entschuldigt und die politische Verantwortung für die Vorfälle übernommen. Rücktrittsforderungen wies er aber zurück. Zugleich äußerte der Pentagon-Chef die Befürchtung, dass die bekannt gewordenen Misshandlungen noch nicht alles seien. Es gebe viele Fotos und Videoaufnahmen, die noch nicht veröffentlicht worden seien: "Ich fürchte, es wird noch schrecklicher."

In einer geheimen Sitzung werden die US-Kongressabgeordneten in den kommenden Tagen neues Beweismaterial zu sehen bekommen. Dem Vernehmen nach sollen darin Gewaltexzesse ungeahnten Ausmaßes festgehalten sein. Gesehen haben sie besher nur Rumsfeld und seine Generäle. (APA/dpa/red)

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    Ein nackter Gefangener wird mit zwei Hunden bedroht

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