Zahn und Stoßstange

13. Juli 2004, 14:32
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Michael Moravec über die Konkurrenz aus den neuen EU-Ländern und die heimischen Betriebe, die von der Bundesregierung allein gelassen wurden

Die neuen Zähne aus Sopron sind bestens bekannt. Die neue Brille und der Hüftersatz aus Brünn sind es mittlerweile auch. Nun kommen auch noch die neue Stoßstange und die Motorhaube aus Bratislava dazu.

Doch was bald als Komplettservice für Unfallopfer verkauft werden könnte - und sicher noch ergänzt wird -, wächst sich auch zu einem erheblichen Abfluss von Umsätzen und Kaufkraft aus.

Österreichische Versicherungen fürchten die Konkurrenten aus den neuen EU-Mitgliedsländern, die mit ganz anderen Kostensätzen operieren können. Also wollen sie ihnen zuvorkommen und auch Autoreparaturen in Bratislava anbieten, um die Prämien senken zu können.

Auf dem Spiel stehen mehrere Hundert Millionen Euro pro Jahr, die dann natürlich den heimischen Werkstätten fehlen. Der Druck aus dem Osten löst eine ganze Kette an Folgen aus: Vor allem viele kleinere Werkstätten würden auf der Strecke bleiben, und damit auch Arbeitsplätze.

Dieses Beispiel zeigt, wie praxisfremd und unausgegoren die Steuerreform 2005 für viele ist: Die Senkung der Körperschaftssteuer von 34 auf 25 Prozent kommt ebenso wie der halbierte Steuersatz auf nicht entnommene Gewinne nur Unternehmen zugute, die nennenswerte Erträge haben.

Doch gerade diejenigen Betriebe, die gerade an der Kippe zwischen Leben und Tod stehen, sind zumeist nur sehr bedingt in dieser glücklichen Lage. Ob die minimale Steuer, die sie - wenn überhaupt - noch zahlen, auch noch reduziert wird, ist für die Konkurrenzfähigkeit ziemlich egal.

Hilfreich für sie - und vor allem den Arbeitsmarkt - wäre nur eine spürbare Senkung der gewinnunabhängigen Lohnnebenkosten gewesen.

Aber vielleicht taucht im Finanzministerium ja doch noch ein "Verein zur Förderung der Old Economy" auf. (DER STANDARD Printausgabe, 10.05.2004)

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