Ein Scherbenhaufen

13. Juli 2004, 14:32
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Dank besonders sorgfältiger Auswahl der Investoren durch die ÖIAG-Chefs hat die VA Tech nun einen Mitbesitzer, der es mit dem Konzern besonders gut meint

Unterm Becker hätt’s das nicht gegeben." Diesen Satz hört man dieser Tage oft, wenn es um die Verstaatlichtenholding ÖIAG geht. Allein die Tatsache, dass der Name des scheidenden VA-Tech-Chefs darin vorkommt, muss als Beweis dafür gelten, dass das Urteil über die aktuellen ÖIAG-Chefs vernichtender nicht ausfallen könnte. Denn Becker war ob seines scharfen Blicks für Zahlen (und seiner noch schärferen Urteile darüber) als langjähriger ÖIAG-Finanzvorstand nicht gerade beliebt bei den von ihm beaufsichtigten staatlichen Betrieben.

Der Wertschätzung für die unter seiner Ägide durchgeführten Teilprivatisierungen von Voest, Böhler-Uddeholm, VA Tech, OMV, Austria Tabak, Salinen und AMAG tat dies keinen Abbruch, Becker wird dafür noch heute allseits gelobt.

Der derzeitigen, nicht minder unbeliebten ÖIAG-Führung rund um den Zellstoffproduzenten und -händler Alfred Heinzel wird solch ein Ruf wohl nie nacheilen. Sie erlaubte sich bei der Restprivatisierung von Voest und Böhler schwere Schnitzer, aber nicht nur dort. Derzeit läuft sie sogar Gefahr, jene des Anlagenbaukonzerns VA Tech gegen die Wand zu fahren.

Den vorläufigen Höhepunkt des Dramas stellt die von der Aktionärsgruppe rund um Mirko Kovats vereitelte Kapitalerhöhung dar. Dank besonders sorgfältiger Auswahl der Investoren durch die ÖIAG-Chefs hat die VA Tech nun einen Mitbesitzer, der es mit dem Konzern besonders gut meint. Das Ergebnis ist so bekannt wie beschämend: Dem vier Milliarden Euro - das waren einmal 55 Milliarden Schilling! - schweren Konzern wird das notwendige frische Geld vorenthalten, und die Aktionärsstruktur ist nach dem Rückzug des Staates alles andere als stabil. Den Scherbenhaufen zu kitten, bedürfte es guter Manager, nicht schlechter Verkäufer. (Luise Ungerboeck, Der Standard, Printausgabe, 08.05.2004)

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