Meine kleine Welt

9. Juni 2004, 14:35
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"Liebhaberstücke" nennt die Schmuckdesignerin Melanie Haarhaus ihre Entwürfe, die eine besondere Vorliebe für Details auszeichnet

Eigentlich wollte die aus Bayern gebürtige Schmuckdesignerin Melanie Haarhaus Kunst studieren, dass sie dann dreieinhalb Jahre lang in Essen eine Goldschmiedelehre absolvierte, war so etwas wie eine Verlegenheitslösung. Mittlerweile hat sich diese aber als durchaus praktikabel erwiesen, denn nun, so sagt Haarhaus, habe sie einen Beruf, der ihr sehr gut gefällt. Einen Beruf, von dem sie nicht leben kann und auch nicht will, sondern den sie sich durch diverse Nebenjobs finanziert. Als selbständige Schmuckdesignerin könne sie genau das machen, was sie wolle und müsse ihre Produktion nicht vorrangig an finanziellen Gegebenheiten orientieren.

"Mena" heißt die aktuelle Kollektion der Designerin, ein Name, der viel von den Quellen verrät, aus denen Melanie Haarhaus ihre Einfälle bezieht. Mena war der Name, den sie sich selbst als Kind gegeben hat und schon damals, so erzählt die 31-Jährige, sei sie auf Miniaturwelten, auf "die kleine Welt in der großen" wie etwa ihr Puppenhaus fixiert gewesen. Viele sehr fragile, zarte Teile sind in dieser Kollektion, Schmuck mit einer Anmutung alter wertvoller Stücke, aber auch Exemplare mit moderner Symbolik.

"Ich mache gerne schöne, kleine Dinge", betont Haarhaus. Nichts Protziges, nichts Aufdringliches, sondern Design, das zum genauen Hinschauen einlädt und das diesen zweiten Blick mit liebevoll ausgearbeiteten Details belohnt. Eine Brosche mit einem Zwitterwesen samt Elefantenkopf, Pferdefüßen und Adlerflügeln ist eines dieser Stücke, das die Designerin nach einer Illustration von Winsor McCay aus dem Comic "Little Nemo" von 1905 gestaltet hat. Oder eine simple Halskette aus Gold mit drei Fischchen als Anhängern (die Goldstempel verzieren die Fische wie Schuppen), einem Seemannsknoten und einem Anker zum Anstecken, der unterschiedliche Arrangements des Schmuckstücks auf der Kleidung erlaubt.

Melanie Haarhaus verwendet für ihre Entwürfe, die allesamt Einzelstücke sind, traditionelle Materialien wie Gold und Silber, Koralle, Onyx und Jade. Meist sind es Halsketten, weil das sei eine Art von Schmuck, der wenig störe. Auch Broschen gehören für Haarhaus, die selbst lieber ungeschmückt daher kommt, in diese Kategorie der Selbstverständlichkeit. Ausgangspunkt für die Entwürfe sind neben Erinnerungen aus der Kindheit oft Fundstücke, etwa vom Flohmarkt oder aus alten Geschäften. Etwa der Miniatur-Vogel aus einer Kuckucksuhr, dem die Designerin zwei Blüten aus Onyx und Koralle in den Schnabel steckte und ihn zur Brosche verarbeitete. Oder der Knopf aus "Grandma's buttons" in Louisiana, den sie mit Koralle, Muschelschale und Bergkristall in ein Kollier fasste.

Die aktuelle Kollektion ist in den vergangenen eineinhalb Jahren entstanden. Zwischen zehn und 30 Stunden arbeitet Haarhaus an einem Stück, die Verkaufspreise liegen zwischen 700 und 2000 Euro, derzeit sind die Entwürfe nur direkt bei der Designerin erhältlich.

Sich im Schmuckdesign zu positionieren, sei keine einfache Angelegenheit, meint Haarhaus: "Schmuck ist eigentlich ein Stiefkind, dieser Bereich gehört nicht richtig zum Design und auch nicht zur Kunst." Rein dekorative Schmuckstücke zu entwerfen sei nicht ihre Sache, ebenso wenig wie der klassische Juwelenschmuck, der sich vorrangig auf die Kostbarkeit der verwendeten Materialien bezieht und sich als Prestigeobjekt definiert. Ihre Entwürfe, so betont die Designerin, sollten Geschichten erzählen, sollten im Idealfall für den Träger oder die Trägerin eine besondere Bedeutung haben. (DERSTANDARD/rondo/StephMargit Wiener/07/05/04)

Info:
Melanie Haarhaus
Tel. 01/7969862

Fotos:
Mierswa-Kluska
Cloe Potter
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