Hans-Peter Martin gründet "HPM"-Partei

7. Mai 2004, 13:10
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Unterschiedliche Reaktionen auf Kandidatur von Karin Resetarits

Wien - Hans-Peter Martin präsentiert heute seine Partei ("HPM") und seine Liste für die EU-Wahl. Neben KroneHit-Moderatorin Karin Resetarits kandidieren für ihn zwei Frauen und ein Mann.

Parteien und Meinungsforscher haben am Donnerstag unterschiedlich auf die Kandidatur der ehemaligen ORF-Moderatorin Karin Resetarits auf Hans-Peter Martins Liste reagiert. Der Spitzenkanidat der FPÖ, Hans Kronberger ortet "ein Signal an linke Kulturkreise", die ÖVP-Spitzenkandidatin Ursula Stenzel sieht in Resetarits die "Prammer Martins", für Hannes Swoboda von der SPÖ reicht "Schillern" alleine nicht und für den Grünen Johannes Voggenhuber geht es Martin um die Herstellung einer "virtuellen Kunstfigur". Für Meinungsforscher Wolfgang Bachmayer hat Resetarits "ein bekanntes Gesicht", was eine ganz wichtige Voraussetzung sei.

Kronberger: "Signal an linke Kulturkreise"

Der FPÖ-Spitzenkandidat für die EU-Wahl, Hans Kronberger, hat die Kandidatur von Karin Resetarits auf der Liste des fraktionslosen Europaabgeordneten Hans-Peter Martin als "Signal an linke Kulturkreise" bewertet. Gleichzeitig ortete Kronberger einen "täglich größer werdenden Erklärungsbedarf" von Martin. Was die Spesenaufdeckergeschichte von Martin betrifft, "schaut er ja bei sich selber nicht so genau, bei den anderen übergenau". Außerdem seien manche Vorwürfe von Martin "schlicht falsch".

Stenzel: "Die Prammer Martins"

Für die ÖVP-Spitzenkandidatin Ursula Stenzel ist Karin Resetarits "die Barbara Prammer von Hans-Peter Martin, nur etwas lustiger und etwas schräger". Mit der Kandidatur der ehemaligen ORF-Moderatorin auf der Liste des fraktionslosen Europaabgeordneten Hans-Peter Martin werde diese "immer mehr zur zweiten SPÖ-Liste", sagte Stenzel am Donnerstag. Sie sei "eindeutig dem links-alternativen Spektrum" zuzuordnen und habe nun mit Resetarits auch eine "feministische Komponente".

Stenzel geht daher davon aus, dass die Martin-Liste vor allem im Revier der SPÖ Stimmen lukrieren werde. Dass Martin und Resetarits auch die Chancen der ÖVP mindern könnten, glaubt Stenzel nicht, "ganz im Gegenteil".

Prammer kontert

Für Barbara Prammern hat sich die ÖVP mit der Aussage Stenzels "wieder einmal als antifeministische Partei geoutet". "Ich kenne zwar das frauenpolitische Programm von Frau Resetarits nicht, aber Stenzel hat ihre Wortwahl mit den Attributen 'feministisch' und 'links-alternativ' begründet. Ich sehe mich selbstverständlich als Feministin. Die Aussage Stenzels und die inkludierte Abkanzelung des Feminismus belegt aber neuerlich, dass Frauen-Gleichstellung kein Pogramm der ÖVP ist", sagte Prammer in einer Aussendung.

Swoboda: "Schillern" allein hilft nicht

Gelassen reagiert SPÖ-Spitzenkandidat Hannes Swoboda auf die Kandidatur von Resetarits. "Das bestätigt nur unsere Linie, dass es wichtig ist, Leute zu haben, die erfahren und professionell sind und die in der Tagesarbeit etwas zu Stande bringen." Vor der Wahl "zu flimmern und zu schillern" sei zwar gut, das helfe dann aber bei der Arbeit im Parlament nicht weiter. Das habe man auch bei Martin gesehen und das werde jetzt nach der Wahl genau so sein, meinte Swoboda.

Die Wahlchancen der SPÖ sieht Swoboda durch die Kandidatur von Martin und Resetarits nicht beeinträchtigt. "Ich glaube nicht, dass das in unserem Bereich ein Problem ist." Das betreffe alle Parteien.

Voggenhuber: "Virtuelle Kunstfigur"

Der Grüne EU-Abgeordnete Johannes Voggenhuber meint zum Plan des fraktionslosen EU-Abgeordneten Hans-Peter Martin, auf einer eigenen Liste mit der Journalistin Karin Resetarits und weiteren Kandidaten anzutreten und auch eine eigene Partei namens HPM zu gründen: "Ich kenne Frau Resetarits kaum. Als Kulturmoderatorin im ORF. Die Absicht ist klar, es geht nicht um politische Arbeit oder Inhalte, sondern um die Herstellung virtueller politischer Kunstfiguren".

Die Stimmung für die Gründung einer Partei zu erzeugen, sei "noch relativ einfach. Aber sie wirklich zu entwickeln, ist sehr schwierig. Da wird man dann mehrfach auf Herz und Nieren geprüft. Und Gnade dem Hans-Peter Martin, seine Arbeit der letzten fünf Jahre wird auch nur einmal auf Herz und Nieren geprüft".

Bachmayer: Resetarits neues und bekanntes Gesicht

Resetarits bietet nach Angaben des Meinungsforschers Wolfgang Bachmayer (OGM) sowohl ein neues als auch ein bekanntes Gesicht. Im Radio-Morgenjournal des ORF sagte Bachmayer, "Resetarits ist ein bekanntes Gesicht aus dem Fernsehen. Das ist einmal eine ganz wichtige Voraussetzung. Sie ist auch ein neues Gesicht im Rahmen bekannter Kandidaten, wo nichts Neues kommt".

Resetarits habe nicht nur Bildschirmerfahrung. Sie wirke in einem gewissen Maß auch als politischer Mensch und sei nicht völlig unbedarft, so Bachmayer.

HPM folgt

Martin hatte am Mittwoch angekündigt, nun doch mit einer ganzen Kandidatenliste bei der EU-Wahl antreten zu wollen. Die vier weiteren Kandidaten, darunter drei Frauen, wolle er am Freitag in Salzburg der Öffentlichkeit vorstellen. Laut "ZiB 2" plant Martin außerdem die Gründung einer Partei mit dem Kürzel "HPM". Dieser Schritt eröffnet ihm vor allem den Zugang zur Wahlkampfkosten-Rückerstattung. (APA/red)

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    Karin Resetarits für HPM sorgt für unterschiedliche Einschätzungen

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