"Van Helsing": Monstertreffen im digitalen Schattenland

26. März 2005, 23:01
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Stephen Sommers Fantasy-Spektakel "Van Helsing" erinnert eher an Computerspiele

Wien - Hoch oben auf der Notre Dame steht er mit breitkrempigem Hut, nachdem er Mr. Hyde (oder war es Dr. Jekyll?) in die Tiefe gestürzt hat: Van Helsing (Hugh Jackman), Auftragskiller von Bösewichten der besonderen Art, wurde im ersten großen US-Blockbuster dieses Jahres (Budget: 160 Mio. Dollar) von einer ambivalenten Nebenfigur zum comichaften Superhelden befördert. Nicht länger hat er nur mit einer Spezies zu kämpfen, wiewohl der Auftrag zu seinem Erzfeind, Graf Dracula, nach Rumänien führt: Dort soll er, ausgestattet mit höchsten kirchlichen Weihen, dem Terror der Blutsauger ein Ende bereiten - zumal Dracula mit der Technologie eines gewissen Dr. Frankenstein daran arbeitet, seine Armee ins Unermessliche zu steigern.

Es lässt sich wahrlich nicht behaupten, dass Regisseur und Autor Stephen Sommers (The Mummy) für Van Helsing nicht ins Volle gegriffen hat: Ein Best-of-Team aller fantastischen Schurken des 19. Jahrhunderts tritt gegen einen stoischen Einzelgänger mit Spezialwerkzeug an, dem natürlich selbst viel Monströses anhaftet - an erzählerische Plausibilität darf man da keinen Gedanken verschwenden.

Im Verein mit Anna Valerious (Kate Beckinsale), die Letzte einer von Dracula bevorzugten Blutgruppe, schlägt sich Van Helsing - den Jackman ganz nach dem Vorbild des Wolverine aus X-Men anlegt - durch ein grünlich-düsteres Niemandsland, das vom expressionistischen Kino bis zu Coppolas Dracula Anleihen nimmt; wobei das Produktionsdesign noch der eindrucksvollste Aspekt dieser Arbeit ist: ob der Tanz der Vampire bei einem Ball, wo Artisten in schwindeln machenden Höhen kreisen, oder die weitläufigen, gotisch inspirierten Architekturen.

Die literarischen Figuren sind hingegen ihrer spezifischen Kennzeichen beinahe entledigt. Zugenommen hat bloß ihre physische Wucht, die sich allerdings den Mitteln der Computeranimation verdankt; aufgeblähte, seltsam sterile Gebilde, ob Werwolf oder Vampir, fuchteln, flattern und fauchen unaufhörlich und monoton von einem Schauplatz zum nächsten.

Symptomatisch ist Van Helsing wohl vor allem darin, dass sich hier ein digitales Kino als medienübergreifendes Ereignis begreift, das kulturelle Eigenheiten nur noch als schwache Reflexionen auf vergangene Zeiten bereithält. Dramaturgisch gleicht der Film immer schon mehr einem Game-Adventure, in dem der Held von Level zu Level neue Allianzen eingeht, dabei Kräfte gewinnt oder auch selbst mutiert, und am Ende jeder Stufe steht ein Schaukampf, der den jeweiligen Status quo anzeigt: Noch ein Leben übrig! (DER STANDARD, Printausgabe, 6.5.2004)

Von
Dominik Kamalzadeh

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