Ende des Investitionsbooms in den neuen EU-Ländern

11. Februar 2005, 15:33
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Britische Ökonomen erwarten weiteren Schub vor Beitritt zum Euro

London/Wien - Entgegen einer weit verbreiteten Annahme werde die jüngste Erweiterung der EU zu keinem neuen Anstieg der ausländischen Direktinvestitionen in den acht mittel- und osteuropäischen Beitrittsländern führen.

Zu diesem Ergebnis kommt die Forschungsabteilung des britischen Magazins Economist in einer Studie. 500 weltweit agierende Investoren wurden befragt. Neues bevorzugtes Ziel für Direktinvestitionen ist demnach Asien.

Die osteuropäischen Länder hätten großteils bereits im Vorfeld der Erweiterung Vorteile durch Investitionen erfahren. Zusätzliche positive Effekte dürften sich in Grenzen halten. Verbesserungen beispielsweise in der Risikobewertung würden sogar durch den Effekt höherer Löhne wieder zunichte gemacht.

Euro bringt nächsten Schub

Die neuen EU-Staaten hatten bereits vor dem Beitritt freien Zugang zum gemeinsamen Markt, was das Schlüsselkriterium für FDI ist. Erst der Beitritt zur Eurozone könnte dann den nächsten Schub auslösen. Der Eurobeitritt sei jedoch nur für die baltischen Staaten ein Szenario, das kurzfristig realistisch sei.

Die Arbeitskosten seien nun kein wesentliches Kriterium mehr für Direktinvestitionen. Die Löhne liegen dort zwar noch deutlich unter dem Schnitt der EU-15, jedoch auch deutlich über dem Niveau anderer Reformländer in Osteuropa und Asien.

Ein weiterer Grund für den Rückgang der Direktinvestitionen in den neuen EU-Ländern liege darin, dass sich die Vorbereitungen für den Beitritt gleichsam als "Anker" für wirtschaftsfreundliche Reformen erwiesen haben.

Die EU-Mitgliedschaft könnte nun laut Studie dazu führen, dass diese Disziplin in der Politik wieder schwindet. Zudem erfordere die Umsetzung der EU-Standards enorme Ausgaben, und viele Regeln in Zusammenhang mit der Union reduzieren die wirtschaftliche Flexibilität der Länder.

Heißes Baltikum

Für einzelne Staaten sind die Economist-Ökonomen aber noch weiterhin positiv gestimmt: Die baltischen Staaten wachsen sehr schnell, in so kleinen Wirtschaftsräumen könnten einige große Deals immense Auswirkungen haben.

Auch in der Slowakei sei die Reformtätigkeit beschleunigt worden, das Lohnniveau liege aber nach wie vor deutlich unter den anderen Beitrittsländern. Zudem entwickle sich das Land - wie berichtet - zu einem Zentrum für die Automobilindustrie.

Die größten Probleme, den Mittelzufluss aus dem Ausland aufrechtzuerhalten, dürften laut der Studie die großen drei - Ungarn, Polen und Tschechien - haben. Außerhalb der EU werden vor allem am Balkan und in GUS-Staaten, vor allem in der Ukraine und in Russland, Investitionen erwartet.

Das Forschungsinstitut geht davon aus, dass in den Jahren 2004 bis 2008 jährlich durchschnittlich 20 Mrd. Dollar an Direktinvestitionen in die neuen EU-Länder fließen werden. (DER STANDARD Printausgabe, 03.05.2004, APA, red)

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