Pionierarbeit im Ausland

1. Juni 2004, 12:06
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Erfolgsorientierte Karriereplanung bedeutet, Erfahrung im Ausland zu sammeln. Der Expatriates-Klub der Österreichischen Volksbanken AG motiviert Mitarbeiter, ins Ausland zu gehen

"Man muss mutig sein und den Schritt einfach wagen." Als Andrea Kovacs im Mai 1997 nach Kroatien kam, hatte die Volksbank dort gerade einen Standort für eine Tochterbank gefunden und eingerichtet: Aufbauarbeit war angesagt. Kovacs hatte in Wien bereits an der Konzeption der Bankeröffnung mitgearbeitet, nun galt es das Erprobte vor Ort umzusetzen.

In Zagreb angekommen, übernahm sie die Projektleitung für die Implementierung der Bankensoftware. Sprachlich kein Problem für sie, denn die gebürtige Burgenländerin beherrscht Kroatisch fließend. Heute, sieben Jahre später, ist sie im Vorstand der Volksbank Kroatien zuständig für den gesamten Verkauf. In Wien hätte sie es vermutlich "nur" bis zur Gruppenleiterin gebracht. Beispiele wie das der Andrea Kovacs stehen auch bei der ÖVAG nicht an der Tagesordnung. Von den 4500 Mitar- beitern der Österreichischen Volksbanken AG arbeiten rund 2500 in Tochterbanken in Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Serbien-Montenegro, Rumänien, Slowenien, Kroatien und Bosnien. Insgesamt befinden sich derzeit an die 60 heimische Expatriates darunter. "Wir wollen jetzt unsere Mitarbeiter verstärkt dazu motivieren, in unsere Niederlassungen im Ausland zu gehen und dort Karriere zu machen", so lautet das Projekt des ehrgeizigen Personaldirektors der ÖVAG, Harald Posch.

Dazu hat Posch den "Club 7" ins Leben gerufen: Er richtet sich an die rund 2000 Mitarbeiter der ÖVAG im Inland. Sie sollen via hauseigener Datenbank ausgewählt und angesprochen werden, für einen bestimmten Zeitraum in ein Tochterunternehmen der ÖVAG ins Ausland zu wechseln. Zurzeit, so Posch, sind gerade zehn lukrative Posten in Töchterfilialen im Ausland frei. "Expatriates"-Kandidaten winken nicht nur gehaltliche Sprünge und zusätzliche "Benefits", sondern auch "Karriereperspektiven, die in Wien nicht so leicht möglich wären."

"Die Tätigkeiten im Ausland sind wesentlich spannender und auch inhaltlich nicht mit einer Position in Österreich zu vergleichen", sagt Posch augenzwinkernd. Es geht dabei um das Aufbauen und Führen von Niederlassungen - und das in einem multikulturellen Umfeld. Er sucht aber nicht nur Auslandsmitarbeiter mit Ost-Sprachenkenntnissen: "Mit Englisch kommt man heute in all unseren Niederlassungen durch." Heuer plant Harald Posch für die "Club 7"-Mitglieder mindestens zwei regelmäßige Treffen aller Expatriates in Wien, eine eigene Plattform im Intranet und den Start einer "interkulturellen Offensive für die Kollegen im Haus, die eine Schnittstelle zu Auslandsbanken herstellen soll."

Zur Betreuung der Expatriates fungieren neben dem HR-Management im Headquarter in Wien auch noch pro Auslandstochter zwei "alteingesessene Expatriates" als Ansprechpartner vor Ort. Für jene "Expats", die wieder nach Österreich zurückkehren wollen, hat Posch im Firmenintranet einen speziellen Link eingerichtet, wo "Repat"-Positionen und -Wünsche aufgelistet werden. "Wir können zwar nicht versprechen, dass ein Mitarbeiter, der nach Österreich zurückkehrt, dieselbe Position bekommt. Aber da- für suchen wir eine adäquate Position", verspricht Posch. Für den Wiener Kurt Kapeller, Vorstand der Volksbank in Ungarn, ist "Repatriieren" eigentlich kein Thema mehr: Er fährt jedes Wochenende von Ungarn nach Wien zu seiner Familie. Und Andrea Kovacs, Vorstand der Volksbank Kroatien, will auch nach sieben Jahren nicht mehr zurück: "Ich habe in Zagreb einiges aufgebaut und würde es ungern zurücklassen." (Der Standard, Printausgabe 30.4./1./2.5.2004)

Von Judith Grohmann
  • In Zagreb baute die ÖVAG vor sieben Jahren ihre Tochterfiliale auf. Für Mitarbeiter bietet der Standort Karriereperspektiven, die in Wien nicht so leicht möglich wären.
    www.ofm.hr

    In Zagreb baute die ÖVAG vor sieben Jahren ihre Tochterfiliale auf. Für Mitarbeiter bietet der Standort Karriereperspektiven, die in Wien nicht so leicht möglich wären.

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