Waschmaschinen als Aushängeschilder

11. Februar 2005, 15:38
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Etliche slowenische Firmen brauchen sich vor der EU-Konkurrenz nicht zu verstecken

Ljubljana - Die slowenische Wirtschaft sei auf den osteuropäischen Markt eingestellt, hieß es in Serbien boshaft Anfang der Neunzigerjahre. Der Konkurrenz der europäischen Marktwirtschaft seien die Slowenen nicht gewachsen, prophezeite die kriegshetzerische Nomenklatur von Slobodan Milosevic und rief zum Boykott slowenischer Ware auf - Belgrad wollte der westlichsten, die Unabhängigkeit anstrebenden Teilrepublik des ehemaligen Jugoslawien eins auswischen.

Die Serben folgten dem Aufruf ihres Führers, Slowenien verlor in Serbien seinen größten und sichersten Markt. Und die Slowenen taten, was sie tun mussten: Sie beschleunigten die Umgestaltung ihrer Wirtschaft, passten die Qualität ihrer Produkte dem europäischen Standard und Geschmack an, orientierten sich nach dem Westen und ließen das in Kriegen untergehende Exjugoslawien weit hinter sich zurück. 13 Jahre brauchte Slowenien von der Unabhängigkeitserklärung und dem bewaffneten Widerstand gegen die serbisch dominierte jugoslawische Armee bis zum Beitritt zur EU.

Flaggschiffe

"Bewusst robust": Ein inzwischen fast klassischer Werbeslogan prangt heute etwa über dem Wiener Westbahnhof. Die Firma, in der für ihre Langlebigkeit bekannte Haushaltsgräte hergestellt werden, etablierte sich als ein Flaggschiff der slowenischen Wirtschaft. Prominente italienische Designer gaben den Waschmaschinen, Geschirrspülern und Küchen "made in Slovenia" den nötigen Schliff. Alles natürlich billiger als bei der bekannteren europäischen Konkurrenz.

Noch Mitte der Siebzigerjahre sorgte Gorenje für Aufregung: Das Unternehmen eines kommunistischen Landes kaufte mithilfe und Segen der bayerischen Regierung unter Franz Josef Strauß die deutsche Firma Koerting.

Mit viel Elan

Nicht weniger erfolgreich schlug sich die Skifirma Elan mit der westlichen Konkurrenz. Den Durchbruch schaffte sie, als man den noch unbekannten Ingemar Stenmark unter Vertrag nahm. Der legendäre Schwede blieb Elan bis zum Ende seiner Laufbahn treu.

Die malerische Landschaft Sloweniens wirbt für sich: Am Vormittag Ski fahren auf den Gletschern und am Nachmittag in der Adria baden. Das größte Potenzial der Slowenen sei allerdings, "die Fähigkeit, wirtschaftliche Chancen zu optimieren", meint ein österreichischer Diplomat slowenischer Herkunft. Bewusst robust hat Slowenien seinen Weg in die EU geschafft. (Andrej Ivanji, Der Standard, Printausgabe, 30.04.2004)

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