Original-Mozartkugel: "Muss den Großen dankbar sein"

22. Oktober 2004, 17:14
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Norbert Fürst, Konditorei-Chef und Urgroßenkel des Mozartkugel-Erfinders über die Marktchancen und das Verkaufskonzept seiner traditionsreichen Pralinen.

Ihr Urgroßvater hat 1890 die Mozartkugel erfunden, heute sind sie einer der kleinsten Hersteller. Ärgert Sie das?

Fürst: Nein, ärgern tue ich mich ganz und gar nicht. Ehrlich gesagt: Ich muss den Großen, wie Mirabell oder Reber, eigentlich dankbar sein. Immerhin haben sie dank ihrer Finanzkraft die Marke "Mozartkugel" weltberühmt gemacht. Heute kann ich sagen: Ich verkaufe die "Original Salzburger Mozartkugel", und Leute aus fast allen Erdteilen wissen, was gemeint ist. Wir verdanken den Großkonzernen viel von unserem geschäftlichen Erfolg.

Aber Riesenfirmen wie Kraft Foods Austria verdienen heute Millionen mit der Mozartkugel und exportieren sie in 50 Länder.

Fürst: Die Konditorei Fürst steht seit drei Generationen für höchste Qualität, nicht für Quantität. Bei uns wird händisch hergestellt, wir verwenden nur die teuersten Zutaten. Niemand hat mir verboten, eine große Pralinenfabrik aufzusperren. Aber das ist nicht unsere Linie. Wir verkaufen nur in unseren eigenen drei Geschäften in Salzburg; ausnahmsweise stellen wir kleinere Mengen per Post zu. Aber nur an Privatverbraucher.

Rentiert sich das?

Fürst: Durchaus. Wir verkaufen nicht umsonst über eine Million "Original Salzburger Mozartkugeln" im Jahr. Unsere Kugeln sind mit 80 Cent pro Stück teurer als die der Konkurrenz, aber auch von höherer Qualität. Das weiß der anspruchsvolle Kunde zu schätzen. Generell gibt es in der Konfiserie einen Trend von der Quantität zur Qualität, von dem wir natürlich profitieren.

Was haben Sie als Branchen-Zwerg der schwergewichtigen ökonomischen Konkurrenz voraus?

Fürst: Einfach die Freiheit, ohne Rücksicht auf lange Haltbarkeit herstellen zu können. Es ist ja nicht so, dass industriell keine gleichwertigen Produkte herstellbar wären. Aber: Je besser die Zutaten, desto empfindlicher die Praline und desto schneller muss sie gegessen werden. Die großen Hersteller mit ihrem Händler- und Handelspartnernetz müssen darauf Rücksicht nehmen, und wir nicht. Außerdem gehen wir mit unserem Produkt völlig anders um. Unsere Kugeln werden im Hochsommer gar nicht verkauft, schon gar nicht im Freien. Wenn ich die Pralinen der anderen Produzenten immer in der Sonne dahinschmelzen sehen, wir mir ganz anders. Bei uns bekommt der Kunde selbstverständlich eine Kühltasche, damit die Qualität erhalten bleibt. (chr)

  • Der Fürst-GründerErfinder: Urgroßvater Fürst 1890

    Der Fürst-Gründer

    Erfinder: Urgroßvater Fürst 1890

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