US-Starökonom: EU soll Taiwan statt Deutschland als Modell nehmen

11. Februar 2005, 15:33
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Lester Thurow: West-Unternehmen sollten mehr bestehende Kapazitäten in östliche Billiglohnländer verlagern und im Westen neue Industrien aufbauen

Paris - Der amerikanische Starökonom Lester Thurow hat der Europäischen Union geraten, sich für die Zeit nach der Osterweiterung an Taiwan statt an Deutschland zu orientieren und keine Angst vor Produktionsabwanderungen zu haben.

"Taiwan hat seine relativ wenig modernen Produktionseinheiten. - wie die Fabrikation von PC oder Scannern - geschlossen, um sie auf die andere Seite der Meerenge in die (chinesische) Provinz Fujian zu verlagern, wo die Arbeit nur ein 20stel kostet", sagte Thurow der Pariser Zeitung "Le Figaro" (Freitag). "Im Falle Osteuropas ist das nur ein Drittel oder ein Fünftel. Aber es erhöht dennoch die Gewinne."

"Produktionseinheiten im Westen schließen"

"Der Erfolg und das Scheitern der EU-Erweiterung hängen von der Kapazität Westeuropas ab, Produktionseinheiten zu schließen, in Zonen mit niedrigen Produktionskosten im Osten zu verlagern und anschließend neue Industrien im Westen zu schaffen", sagte der Professor für Wirtschaft und Management am Massachusetts Institute of Technology (MIT).

"Das ist es, was Deutschland vor 15 Jahren hätte machen müssen, aber es hat es nicht gekonnt oder nicht gewollt." Er fügte hinzu: "Wenn Ihre Regierungen keinen Mut haben, werden sie sich in der Lage Westdeutschlands angesichts von Ostdeutschland wiederfinden.

Die zehn neuen Mitglieder wären für mindestens 15 Jahre eine Last und kein Vektor der Dynamik." Man solle sich keine Illusionen machen: Was die neuen EU-Staaten mitbrächten, sei vor allem billige und relativ gut ausgebildete Arbeitskraft.(APA/dpa)

  • Lester Thurow: Der Erfolg und das Scheitern der EU-Erweiterung hängen von der
Kapazität Westeuropas ab, Produktionseinheiten zu schließen, in Zonen
mit niedrigen Produktionskosten im Osten zu verlagern und
anschließend neue Industrien im Westen zu schaffen
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    Lester Thurow: Der Erfolg und das Scheitern der EU-Erweiterung hängen von der Kapazität Westeuropas ab, Produktionseinheiten zu schließen, in Zonen mit niedrigen Produktionskosten im Osten zu verlagern und anschließend neue Industrien im Westen zu schaffen

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