Riesenbaby mit Kinderkrankheiten

11. Februar 2005, 15:39
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Im Mai ist es so weit: Der Flughafen Bratislava, einer der am schnellsten wachsenden Airports weltweit, wird in eine AG umgewandelt. Das ist der Countdown für die Privatisierung - und den Aufstieg in die Liga wichtiger europäischer Flughäfen. Der Weg dorthin ist freilich steinig

Im Journalismus gibt es eine goldene Regel, und die lautet: Belästige nie die Leser - und schon gar nicht die STANDARD-Leser - mit deinem Arbeitsleid. Das geht sie nämlich nichts an, und es interessiert sie, völlig zu Recht, auch gar nicht. Aber keine goldene Regel ohne goldene Ausnahme. Wenn hier nun die Leserin und der Leser erfahren, wie schwierig es ist, vom Flughafen Bratislava etwas detailliertere, ausführlichere, mehr als 08/15-Informationen zu erhalten, dann soll das nicht den Leser belästigen, sondern heißen: Der Flughafen in der slowakischen Hauptstadt ist ein moderner, schnell wachsender Airport, der möglichst rasch internationales Format bekommen möchte. Dabei funktioniert meistens alles gut - innerhalb der Norm. Ist der Kunde "schwierig", wird's kompliziert. Wohl auch deshalb rangiert der Flughafen Wien-Schwechat in Sachen Passagierzufriedenheit weit vor Bratislava.

Doch das sind "Kinderkrankheiten", die bestimmt bald geheilt sein können. Schließlich musste der Mikrokosmos Flughafen Bratislava einen ähnlich schmerzhaften und schwierigen Veränderungsprozess durchlaufen wie der Makrokosmos Slowakei. Und man schlägt sich tapfer bis sensationell: Jeden Monat verzeichnet Bratislava einen Zuwachs an Passagieren, Cargos und Destinationen. Die Wachstumsraten des Flughafens werden in allen Slowakei-Ratings lobend erwähnt, die boomende Region profitiert vom Airport und umgekehrt (siehe Grafik).

Im Mai setzen die Flughafenverantwortlichen nun den nächsten, logischen Schritt: Da beginnt jener Prozess, bei dem alle, bisher staatlichen, slowakischen Flughäfen in Aktiengesellschaften umgewandelt werden. Das ist die Voraussetzung für die im Jahr 2005 geplante Privatisierung. Priorität haben dabei die Airports Bratislava (im Westen) und Kosice (im Osten) vor den vier anderen, kleineren Flughäfen.

Unklare Verhältnisse

Die größten Probleme erwarten Wirtschaftsexperten in Bratislava - und zwar aus einem, in der Slowakei ziemlich verbreiteten, Grund. Nach dem Ende des Kommunismus ist vielfach unklar, wem Liegenschaften gehören. So auch beim Airport Bratislava: Die Eigentumsverhältnisse für das Grundstück, auf dem der Airport einst gebaut worden war, sind bis heute diffus. Zudem müssen noch weitere Liegenschaften in der Nachbarschaft des Flughafens gekauft oder zumindest angemietet werden, wenn Bratislava ernsthaft in der Liga größerer europäischer Airports mitmischen will. Doch für solche Investitionen fehlte der Flughafengesellschaft bisher das Geld.

Sorgen muss man sich um die Zukunft des Airports Bratislava freilich nicht machen. Die Interessenten für eine Privatisierung stehen bereits Schlange: Der Wiener Flughafen hat gemeinsam mit der ÖBB und dem Wiener Hafen sein Interesse an einer Beteiligung angemeldet, ebenso die AUA, die argentinische Gesellschaft Aeropuertos, die US-Company Glenealy International sowie das US-kanadische Konsortium ViaPort.

Wiener Lockungen

Die Wiener haben, um ihre Ausgangsposition unter den Bietern zu verbessern, gleich ein gesamtes Infrastrukturpaket vorgelegt. Der Wiener Finanzstadtrat Sepp Rieder regte jüngst gar die Schaffung einer Sonderwirtschaftszone zwischen Wien und Bratislava an. Neben gemeinsamen Infrastrukturprojekten will Rieder dabei vor allem "gemeinsame Spielregeln für Investoren und Betriebsansiedelungen" durchsetzen. Bis auf das Steuerrecht (das in der Slowakei bekanntlich sehr investorenfreundlich ist) sollten dabei alle Belange des Wirtschaftsrechts, etwa Baurecht, Umweltverträglichkeitsprüfung, Planungskriterien, aufeinander abgestimmt werden. Das kann durchaus als "Asset" für die slowakische Seite gesehen werden: Denn kleine und mittlere Unternehmen, die sich in der Slowakei ansiedeln wollen, klagen immer wieder über Rechtsunsicherheit in vielen Belangen.

Die US-Kanadier konterten mit leicht gigantomanisch anmutenden Plänen für den Fall, dass sie die Mehrheitsanteile am Flughafen Bratislava zugeschlagen bekommen. Sie wollen den Airport sofort vergrößern. Das Nachbardorf Ivanka soll abgesiedelt und 21 Kilometer entfernt wieder aufgebaut werden. Die dafür notwendigen Investitionen wurden mit 20 Milliarden Kronen (umgerechnet 497 Millionen Euro) beziffert - ein Viertel davon würden die Bewohner von Ivanka direkt bekommen. Bewertet wurde der Flughafen Bratislava mit knapp zwei Milliarden Kronen, davon entfallen allein 1,4 Milliarden auf die Gebäude. (Petra Stuiber, Der Standard, Printausgabe, 30.04.2004)

  • Der rasant wachsende Airport Bratislava ist bestens vorbereitet auf die bevorstehende Umwandlung in eine AG, um dann in Richtung Privatisierung abzuheben
    foto: flughafen bratislava

    Der rasant wachsende Airport Bratislava ist bestens vorbereitet auf die bevorstehende Umwandlung in eine AG, um dann in Richtung Privatisierung abzuheben

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