Kilometerlange Staus nach Ungarn und in die Slowakei

30. April 2004, 19:47
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Hamsterkauf- Fahrten und ungarische Zöllner machen Dienst nach Vorschrift - Slowaken "prüften" jedes Schwerfahrzeug

Wien - An den österreichischen Grenzübergängen nach Ungarn in Nickelsdorf und Heiligenkreuz sowie in die Slowakei in Berg kam es am Freitag zu kilometerlangen Lkw-Staus bei der Ausreise. Die ungarischen Zöllner machten einen Tag vor dem EU-Beitritt Dienst nach Vorschrift, um auf ihre schlechte Bezahlung aufmerksam zu machen. In Berg hatten die slowakischen Behörden laut Auskunft des ARBÖ einen Prüf-Lkw postiert, um jedes einreisende Schwerfahrzeug zu untersuchen.

Hamsterkäufe

Laut ARBÖ dehnen sich am Freitag die Behinderungen auch auf den Pkw-Verkehr aus an den Grenzübergängen in die neuen EU-Beitrittsländer. Bereits am Donnerstag hatte es wegen "Hamsterkäufen" von Österreichern in den östlichen Nachbarländern Verzögerungen gegeben. Es habe aber auch Einkaufstourismus von Osten nach Österreich gegeben, so der ARBÖ. "Ungarn und Slowaken haben bei uns eingekauft und sich dann die Mehrwertsteuer an der Grenze zurückgeholt. Diese Möglichkeit fällt ja mit dem EU-Beitritt." Auch am verlängerten Wochenende sei wegen des Schönwetters mit vermehrtem Pkw-Verkehrsaufkommen von und nach Osten zu rechnen.

Stiller Protest der Zöllner

"In Nickelsdorf brauchen Lkw bei der Ausreise sechs Stunden, in Heiligenkreuz fünf. In Berg dauert das ganze Prozedere bis zu 15 Stunden", berichtete ein ARBÖ-Sprecher. Laut ÖAMTC betrug der Stau auf der A4 bei Nickelsdorf am Freitag gegen Mittag "acht bis neun Kilometer aufbauend". Gründe seien einerseits die langsame Abfertigung durch den Zoll, andererseits der bevorstehende Feiertag und das damit verbundene Lkw-Fahrverbot ab Mitternacht.

Österreichs Straßen sind für die Erweiterung nicht gerüstet

ÖAMTC-Verkehrsexperte Willy Matzke befürchtete am Freitag nachhaltige Verkehrsprobleme in Österreich nach der EU-Erweiterung. "Österreich ist für die Erweiterung nicht gerüstet. Weder von Linz, St. Pölten, Eisenstadt oder Wien gibt es eine fertige Autobahn in die östlichen Nachbarländer. Von Graz kommt man zwar nach Laibach in Slowenien, aber nicht nach Ungarn", kritisierte er. Weil wichtige Investitionen in die Straßeninfrastruktur nicht getätigt worden seien, müsse man mit massiven Verkehrsproblemen rechnen. Matzke: "Straßenbauprojekte wie die Mühlviertler Schnellstraße (S 10), die Nord Autobahn (A 5) oder Nordost Autobahn (A 6) liegen auf Eis. Gleiches gilt für die Südost Autobahn (A 3) und die Fürstenfelder Schnellstraße (S 7)."

Schlechtes Baustellenmanagenment

Auch das schlechte Baustellen-Management - u.a. ist just zum Zeitpunkt der EU-Erweiterung die A4 zwischen Bruck an der Leitha und Parndorf wegen Bauarbeiten in beiden Richtungen nur einspurig benutzbar - werde für eine Verschärfung der Situation auf Österreichs Straßen sorgen, so Matzke. Der ÖAMTC verlangte deshalb eine Revision des Generalverkehrsplans für Österreich (GVPÖ) mit Schwerpunkt Straße. Der GVPÖ sehe vor, dass zwei Drittel der finanziellen Mittel in den Schienenverkehr investiert wird. "Das ist ein fataler Fehler, spielt sich doch 90 Prozent des Verkehrs auf der Straße ab." (APA)

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