Wuz, Fuz & Tuz ade

13. Juli 2004, 14:32
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Das neue Dienstrecht duftet nicht nach Bahnreform, sondern stinkt ganz gewaltig nach Budgetsanierung - von Günther Strobl

Mit vielen Begleitgeräuschen haben die Verhandlungen zwischen Bahnvorstand und Belegschaftsvertretung um ein neues Dienstrecht für die 47.000 Eisenbahner also doch noch ins Ziel geführt. Alles andere wäre eine Sensation gewesen, hat die Regierung den Verhandlern doch unmissverständlich zu verstehen gegeben, dass bei einem Scheitern der Gespräche gesetzlich eingegriffen würde. Zwar hätte die Gewerkschaft dann immer noch ihre Drohung wahr machen und einen Streik ausrufen können; seit vorigem Herbst weiß sie aber nur zu genau, dass Streiks in der Bevölkerung unpopulär sind.

Das neue Dienstrecht ist für die Eisenbahner freilich gewöhnungsbedürftig: Gehaltsvorrückungen nur noch alle drei statt alle zwei Jahre, kürzerer Krankengeldbezug, dafür etwas mehr Moneten. Und Zuschläge praktisch nur mehr für jene, die schwere, körperliche Arbeit leisten müssen - etwa im Verschub.

Wuz, Fuz & Tuz ade, heißt es nun. Und das ist gut so. Ein Winterurlaubszuschlag (Wuz) von zwei Tagen für jene Eisenbahner, die ihren Urlaub in die Zeit von November bis März legen, ist schwer argumentierbar. Genauso wenig der Feiertagsurlaubszuschlag (Fuz), der Eisenbahnern bisher einen zusätzlichen freien Tag gebracht hat, wenn der Urlaub auf einen Samstag fiel. Und auch nicht der Turnusdiensturlaubszuschlag (Tuz), der Turnusbediensteten bisher zusätzlich acht Urlaubstage gebracht hat. Aus. Vorbei. Das alles gibt es künftig nicht mehr.

Etwa 100 Millionen Euro machen die sich daraus ergebenden Einsparungen in Summe aus. Was so schlecht nicht wäre. Wenn nicht gleichzeitig Finanzminister Karl-Heinz Grasser die Hand aufhalten und eine ähnlich hohe Summe als Dividende aus dem Unternehmen ziehen würde. Das duftet nicht nach Bahnreform, sondern stinkt ganz gewaltig nach Budgetsanierung. (Der Standard, Printausgabe, 30.04.2004)

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