"In allen Belangen grottenschlecht"

29. April 2004, 18:46
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Ein 4:1 gegen Luxemburg kann täuschender nicht sein - Österreichs Team hat sich trotzdem blamiert - Krankl strich wie immer das Positive hervor, obwohl auch ihm die Angelegenheit sehr peinlich war

Innsbruck/Wien - Ein Sieg kann ziemlich grausam sein. Teamchef Hans Krankl beschrieb am Tag nach dem Offenbarungseid seine Gefühlslage während dieser unsäglichen 90 Minuten von Innsbruck. Er schloss die ersten zehn und die letzten fünf aus - da wurden jeweils zwei Tore erzielt, was prinzipiell lobenswert ist. "Den Rest der Zeit war ich frustriert und deprimiert - mir war es richtig peinlich. Beim Stand von 2:1 haben wir vor den Amateuren Angst bekommen. Da wurde tatsächlich gezittert, jede taktische Disziplin ging verloren."

Weil Krankl aber ist, wie er ist - sonst wäre er nämlich nicht der Krankl, der er ist -, stellte er sich stur vor die Mannschaft: "Ich gaukle nichts vor, ich bin eben der Rudelführer. Meine Aufgabe besteht darin, die Spieler zu beschützen. Mag sein, dass das gefährlich ist. Aber so bin ich. Ein Gerechtigkeitsfanatiker, der manchmal nicht objektiv sein kann. Ich muss das Positive hervorheben, das Negative wird intern kritisiert. Diesmal sehr ausführlich."

Positiv und öffentlich war also das Resultat, das letztendlich eine Form von Wahrheit darstellt - im konkreten Fall die unreine. "Ein 4:1 gegen Luxemburg ist ein deutlicher Sieg. Beide Tormänner waren gut; Kiesenebner schoss bei seinem Debüt ein Tor; die routinierten Stürmer Haas und Kollmann haben mehr gezeigt als die jungen Wallner und Linz. Die Spieler haben sich danach in der Kabine zerfetzt, sie waren selbstkritisch." Der Zuhörer nahm es unwidersprochen hin, zumal sich Krankl selbst bestrafen wird: "Ich werde mir das Video ein paar Mal anschauen." Gerechtfertigte Kritik, sagte er, sei durchaus angebracht. "Ich verwehre mich nur gegen die Schwarzmalerei." Wo er die Grenze zieht? "Da müsste man stundenlang philosophieren."

Er habe eben nur eine begrenzte Anzahl von Spielern zur Verfügung. "Ein paar fallen immer aus. Der eine bricht sich den Knöchel, dem andern tun die Ohren weh, ein dritter hat Nasenschmerzen." Die seltene Rolle des Favoriten, das hat Luxemburg verdeutlicht, liege der Mannschaft noch weniger als die geprobte des Außenseiters. "Es ist eine Ironie, dass man gleich 2:0 führt und dann alles wegwirft. Manche Dinge sind unbegreiflich. Die zweite Halbzeit war eine Katastrophe, in allen Belangen grottenschlecht. Schuld sind die Leute, die 20 Jahre im Nachwuchs nichts getan haben und drittklassige Ausländer einsetzen. Auch ein Eriksson oder Advocaat könnte wenig ändern."

Da die an Krankls Job nicht interessiert sind, leidet er am 25. Mai weiter - Russland ist in Graz der Gegner. Zwei Tage davor steigt das Cupfinale, das vermutlich der GAK erreichen wird. "Also muss ich auf viele verzichten." Was in zuversichtlich stimmt: "Russland ist Favorit, das sind wir gewöhnt. Wird schon werden." (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 30. April 2004, Christian Hackl)

  • Was gibt's da zu lachen?

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