Verrückt nach Körben

30. April 2004, 12:38
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In Litauen gilt der Basketballsport den meisten Menschen als zweite Religion

Vilnius - Welchen Stellenwert Basketball in Litauen besitzt, lässt sich gut an der Berichterstattung der Medien über die nationale Meisterschaft ablesen. Lietuvos rytas, die größte litauische Tageszeitung, sponsert Vizemeister Vilnius.

Ein Umstand, den man ihren Sportseiten ansieht, in denen sich nahezu jede zweite Meldung um "Krepsinio", wie der Sport in der Landessprache genannt wird, dreht. Das Spiel mit dem Korbball blickt in Litauen auf eine lange Tradition zurück. Das erste offizielle Länderspiel fand im Jahr 1925 statt, das Team verlor 20:41 gegen die lettischen Nachbarn, danach ging es allerdings stetig bergauf. 1937 und 1939 wurden die Litauer Europameister. Nach dem Zweiten Weltkrieg mussten die litauischen Basketballer allesamt unter dem Banner der Vereinigten Sowjetrepubliken antreten, auf Klubebene allerdings behaupteten sich seine Teams weiterhin. 1947 gewann KKI Kaunas den ersten nationalen Meistertitel.

Seinen Höhepunkt erlebte das litauische Basketball in den Achtzigern, als das Team von Zalgiris Kaunas, seit jeher die Basketball-Hochburg des Landes, nationale und internationale Meisterschaften nach Belieben dominierte und damit auch seinen Teil zur Auflösung der Sowjetunion beitrug - so sehen es jedenfalls viele Litauer. Die Erfolge des Spitzenteams aus Kaunas, welches die von der kommunistischen Nomenklatura protegierte Mannschaft CSKA Moskau in Serie besiegte, wird bis heute als Einleitung des Zusammenbruchs der UdSSR gesehen. Der damalige Center Arvydas Sabonis gilt als das Symbol jener legendären Mannschaft. Der Center wird bis heute verehrt wie in den USA Michael Jordan. Zuletzt machte sich der 2,12 große Hüne, der einst für die Portland Trail Blazers und Real Madrid spielte, aber nicht nur Freunde, indem er kräftig Werbung für den Beitritt seines Landes machte: "Wir sind kein reiches Land und wenn uns Europa einlädt, müssen wir glücklich sein."

Sabonis war es allerdings nicht vergönnt, der erste litauische Spieler in der stärksten Basketballliga der Welt zu sein. Diese Ehre wurde Šarunas Marciulionis 1982 zuteil, der in weiterer Folge sogar im NBA-Allstar-Team spielte. Der gegenwärtig prominenteste Export heißt Zydrunas Ilgauskas, er hebt seit 1997 als Center bei den Cleveland Cavaliers ab und schaffte im vergangenen Jahr ebenfalls den Sprung ins All-Star-Team.

Die Nationalmannschaft profitiert in hohem Maß von der Erfahrung der NBA-Legionäre. Bei Olympia gewannen die Litauer seit der Unabhängigkeit 1991 noch jedes Mal die Bronzemedaille, zuletzt 2000 in Sydney, wo sie im Halbfinale das "Dream Team" der USA an den Rand einer Niederlage brachten. 2003 erfolgte die bisherige Krönung: Litauen wurde Europameister. (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 30. April 2004, Klaus Stimeder)

LITAUEN

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Größe/Einwohner
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65 301 km², 3,488 Millionen
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Populärste Sportarten ----------
Basketball, Fußball
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Populärste Sportler
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Zydrunas Ilgauskas, Darius Songaila, arunas Marciulionis, Arvydas Sabonis (alle Basketball),Valdas Iwanauskas (Fußball), Virgilijus Alekna (Diskuswerfer)
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Größte Erfolge
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Dreimal Basketball-Europameister (1937, 1939, 2003), dreimal Bronze bei Olympia (1992, 1996, 2000). Virgilijus Alekna wurde 2003 Weltmeister im Diskuswerfen.

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    Arvydas Sabonis netzt ein.

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