Vorerst kein frisches Geld

30. April 2004, 12:49
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Kovats-Gruppe blockiert Kapitalerhöhung und kippt Wirtschaftsprüfer KPMG

Linz - Ruck, zuck ging in der Hauptversammlung (HV) der VA Tech am Donnerstag nur die Bestellung der Vorstandsspitze über die Bühne. Was wohl daran lag, dass die rund 500 versammelten Aktionäre gar nicht gefragt werden mussten, wer den Linzer Anlagenbaukonzern in die als vielversprechend geschilderte Zukunft führen soll.

Dies hatte der Aufsichtsrat bereits zuvor einstimmig entschieden: Es ist Klaus Sernetz, der für die Infrastruktursparte (Elin EBG, AI Informatics) zuständige Vorstandsdirektor. Der 51-jährige gebürtige Steirer gewann damit das Kopf-an-Kopf-Rennen gegen Gerhard Falch, dem zu seiner alten Hochform auflaufenden Voest-Alpine Industrieanlagenbau (Metallurgie) zuständigen Vorstand. Falch, dem die VAI den Turnaround verdankt, fungiert ab dem Ausscheiden von Finanzchef Roland Scharb im Juni als Generaldirektor-Stellvertreter.

Aufstand der Kleinen

Ab dann war es mit der Beschaulichkeit vorbei: Die Kleinaktionäre probten den Aufstand und verweigerten dem VA-Tech-Aufsichtsrat und -Großaktionär Mirko Kovats die Entlastung. Sie verlangten Aufklärung darüber, wer sich hinter den drei in der Schweiz gemeldeten Paket-Aktionären verbirgt, die rund acht Prozent des Aktienkapitals repräsentierten.

Diese Gruppe käme zusammen mit Kovats' Victory-Gruppe auf mehr als 20 Prozent Aktienanteil, was den Übernahmefall auslösen würde, wetterte Rechtsanwalt Georg Vetter.

Die Aufklärung erfolgte nicht, denn Kovats' Anwalt und Stimmrechtsvertreter Christian Hausmaninger schwieg beharrlich. Dafür kam es bei der Abstimmung über den Wirtschaftsprüfer zum ersten Eklat: Die vom Aufsichtsrat vorgeschlagene KPMG (der langjährige Prüfer der VA Tech) wurde mit 54,13 Prozent der Stimmen auf Antrag von Hausmaninger abgelehnt.

ÖIAG zeigte sich konziliant

Die ÖIAG zeigte sich konziliant, sie stimmte der von der Kovats-Gruppe vorgeschlagenen Kanzlei Ernst & Young zu, was eine Mehrheit von 57 Prozent sicherte. Was wiederum eine Reihe von Widersprüchen nach sich zog, unter anderem von Anlegerschützer Wilhelm Rasinger der diesen mit dem Hinweis, Ernst & Young sei bei der Bank-Burgenland-Pleite negativ aufgefallen.

Richtig turbulent wurde es beim zentralen Punkt des mehr als sechs Stunden dauernden Aktionärstreffens, der Kapitalerhöhung. Obwohl Kovats eine solche massiv eingefordert hatte, stimmte seine Gruppe überraschend gegen die 50-prozentige Aufstockung des Grundkapitals durch die Ausgabe von 6,75 Millionen junger Aktien. Mit 53 Prozent überstimmt, gab die ÖIAG und mit ihr der VA-Tech-Vorstand Widerspruch zu Protokoll, was Basis für eine Anfechtung sein wird.

Der Appell von Zwei-Prozent-Aktionär Ludwig Scharinger (Raiffeisen Landesbank Oberösterreich), der international hervorragend aufgestellten VA Tech frisches Geld zu genehmigen, das binnen fünf Jahren abrufbar ist, verhallte damit ungehört.

Diese Abfuhr für die Kapitalerhöhung ist insofern pikant, als Scharinger als Mitfinancier von Kovats gilt. Nicht aufgehoben wurde die geltende Stimmrechtsbeschränkung. Damit kann weiterhin kein Aktionär mehr als 25 Prozent der Stimmen haben. (Luise Ungerboeck, Der Standard, Printausgabe, 30.04.2004)

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