Radar-Experiment Marsis aus Sicherheitsgründen verschoben

30. April 2004, 13:10
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Antennenentfaltung könnte für das Raumschiff gefährliche Schwingungen verursachen - weitere Untersuchungen angekündigt

Graz/Wien - Eine Verschiebung der Vorbereitungen für das Radar-Experiment Marsis an Bord von Mars-Express meldet die Europäische Weltraumorganisation (ESA). Computersimulationen haben gezeigt, dass während der Entfaltung der beiden 20-Meter-Ausleger für die Antennen für das Raumschiff gefährliche Schwingungen auftreten könnten. Nun soll vorerst weiter auf der Erde simuliert werden.

Die beiden 20 Meter langen und 2,5 Zentimeter starken Ausleger sind derzeit zusammengefaltet in Behältern an Bord von Mars-Express verstaut. Die Glasfiber-Stangen sind so konstruiert, dass sie sich bei einem Öffnen der Boxen selbst zur vollen Länge entfalten und in Position bringen. Die jüngsten Simulationen haben nun ergeben, dass während des zehnminütigen Entfaltungsvorgangs bedenkliche Schwingungen - eine Art Rückschlag - an den Stangen auftreten könnten. Das Marsis-Team kündigte weitere Untersuchungen an.

Marsis

Das Experiment soll unter anderem tief unter die Marsoberfläche blicken und vornehmlich nach größeren Wasser- oder Eisansammlungen suchen. Die sieben Meter lange Antenne ist ein so genannter Monopol, zwei weitere, 20 Meter lange Ausleger bilden die Dipol-Antenne. Über letztere werden nach der Kalibrierungsphase Radar-Impulse in Richtung Marsoberfläche ausgesandt. Dann wartet das System gleichsam auf eine Antwort in Form von zurück geworfenen Radarwellen.

Wissenschafter des Instituts für Weltraumforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) verfolgen die Vorgänge um Marsis mit höchstem Interesse, schließlich haben sie gemeinsam mit deutschen Kollegen die Kalibrierung des Radars durchgeführt.

Unterschiedliche Prognosen

"Wir gehen davon aus, dass ein Großteil der Signale bereits von der Oberfläche reflektiert wird", sagte Wolfgang Macher vom Institut für Weltraumforschung. Welcher Anteil dann doch unter die Oberfläche vordringt und Näheres über das Innere des Planeten verrät, ist derzeit noch nicht abschätzbar. Dementsprechend unterschiedlich sind auch die Prognosen, wie tief Mars Express blicken wird können. Sie reichen derzeit von einem bis zu fünf Kilometern.

"Wasser hat deutlich unterschiedliche Eigenschaften als Gestein, daher würden unterirdische - bzw. untermarsische - Wasserreservoirs sicher aufgespürt", so Macher. Es sollte sogar möglich sein, zu unterscheiden, ob das Wasser als Eis oder in flüssiger Form vorliegt. Eis würde die Radarwellen nämlich weniger stark reflektieren als Wasser. (APA)

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  • Das Radar-Experiment Marsis an Bord von Mars-Express wird vorerst verschoben. Weitere Untersuchungen sind angekündigt.
    bild: esa

    Das Radar-Experiment Marsis an Bord von Mars-Express wird vorerst verschoben. Weitere Untersuchungen sind angekündigt.

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