Der Mensch zündelte vor 790.000 Jahren

7. Mai 2004, 21:14
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Erstes Feuer von Steinzeitmenschen könnte Vorstoß in die kälteren Klimazonen Europas erklären

Washington - Das erste Lagerfeuer der Steinzeitmenschen loderte vermutlich schon vor 790.000 Jahren, mehr als 500.000 Jahre früher als bisher angenommen. Darauf weisen verkohlte Samenkörner, Holzreste und Feuersteine neben noch unbenutztem Holz und Feuerstein im Norden Israels hin. Die Funde am Ausgrabungsort Gesher Benot Ya'aqov präsentiert das US-Fachjournal "Science" vom Freitag. Sie könnten erklären, warum etwa zur gleichen Zeit der Vorstoß in die kälteren Klimazonen Europas einsetzte.

Die Autoren des Berichts räumen ein, dass sie ein natürliches Feuer statt eines von Menschen kontrollierten Feuers in Gesher Benot Ya'aqov nicht völlig ausschließen können. Aber die Verteilung des verkohlten und noch unbenutzten Holzes und die Rückstände, die auf prähistorische Feuerstellen schließen lassen, legten ihren Schluss sehr nahe. Außerdem seien Holz und andere Reste von drei Nahrungspflanzen an der Fundstelle angezündet worden: Olive, wilder Wein und wilde Gerste.

Überwiegende Akzeptanz

Bisher hatten einige alte Fundstätten in Europa sowie eine Höhle in China als Beweis gegolten, dass Menschen schon vor etwa 250.000 bis 300.000 Jahren mit Feuer umzugehen verstanden. Obwohl nicht völlig unumstritten, wird die jüngste Entdeckung in Israel in Expertenkreisen überwiegend akzeptiert. "Ich finde, dies ist der beste Nachweis, den es bisher für die Nutzung von Feuer in der Zeit von vor 250.000 Jahren gab", lobt Richard Klein von der Stanford Universität in Kalifornien.

Das Team um Naama Goren-Inbar von der Hebräischen Universität in Jerusalem untersuchte insgesamt 23.454 Samen und Überreste von Früchten sowie 50.582 Stückchen Holz an der Fundstätte. Nur zwei Prozent der Holz- und Feuersteinrückstände und ein ähnlich kleiner Anteil der Samen und Fruchtreste war verkohlt, heißt es in "Science". Das schließe ein natürliches Feuer aus, das etwa durch einen Blitz hervorgerufen worden sein könnte.

Entscheidender Entwicklungsschritt

Den Autoren der "Science"-Studie zufolge kommen der Homo erectus, der Homo ergaster oder auch ein ganz früher Homo sapiens als Feuermacher in Frage. Die Fähigkeit, mit Feuer umzugehen, gilt als entscheidender Schritt in der Entwicklung des Menschen, der drastische Verhaltensänderungen nach sich zog, in der Ernährung, im Umgang miteinander und der Verteidigung. Vor allem aber könnte sie die "Eroberung" Europas ausgelöst haben. (APA/dpa)

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