Erstes Feuer von Steinzeitmenschen könnte Vorstoß in die kälteren Klimazonen Europas erklären
Washington - Das erste Lagerfeuer der Steinzeitmenschen
loderte vermutlich schon vor 790.000 Jahren, mehr als 500.000 Jahre
früher als bisher angenommen. Darauf weisen verkohlte Samenkörner,
Holzreste und Feuersteine neben noch unbenutztem Holz und Feuerstein
im Norden Israels hin. Die Funde am Ausgrabungsort Gesher Benot
Ya'aqov präsentiert das US-Fachjournal "Science" vom Freitag. Sie
könnten erklären, warum etwa zur gleichen Zeit der Vorstoß in die
kälteren Klimazonen Europas einsetzte.
Die Autoren des Berichts räumen ein, dass sie ein natürliches
Feuer statt eines von Menschen kontrollierten Feuers in Gesher Benot
Ya'aqov nicht völlig ausschließen können. Aber die Verteilung des
verkohlten und noch unbenutzten Holzes und die Rückstände, die auf
prähistorische Feuerstellen schließen lassen, legten ihren Schluss
sehr nahe. Außerdem seien Holz und andere Reste von drei
Nahrungspflanzen an der Fundstelle angezündet worden: Olive, wilder
Wein und wilde Gerste.
Überwiegende Akzeptanz
Bisher hatten einige alte Fundstätten in Europa sowie eine Höhle
in China als Beweis gegolten, dass Menschen schon vor etwa 250.000
bis 300.000 Jahren mit Feuer umzugehen verstanden. Obwohl nicht
völlig unumstritten, wird die jüngste Entdeckung in Israel in
Expertenkreisen überwiegend akzeptiert. "Ich finde, dies ist der
beste Nachweis, den es bisher für die Nutzung von Feuer in der Zeit
von vor 250.000 Jahren gab", lobt Richard Klein von der Stanford
Universität in Kalifornien.
Das Team um Naama Goren-Inbar von der Hebräischen Universität in
Jerusalem untersuchte insgesamt 23.454 Samen und Überreste von
Früchten sowie 50.582 Stückchen Holz an der Fundstätte. Nur zwei
Prozent der Holz- und Feuersteinrückstände und ein ähnlich kleiner
Anteil der Samen und Fruchtreste war verkohlt, heißt es in "Science".
Das schließe ein natürliches Feuer aus, das etwa durch einen Blitz
hervorgerufen worden sein könnte.
Entscheidender Entwicklungsschritt
Den Autoren der "Science"-Studie zufolge kommen der Homo erectus,
der Homo ergaster oder auch ein ganz früher Homo sapiens als
Feuermacher in Frage. Die Fähigkeit, mit Feuer umzugehen, gilt als
entscheidender Schritt in der Entwicklung des Menschen, der
drastische Verhaltensänderungen nach sich zog, in der Ernährung, im
Umgang miteinander und der Verteidigung. Vor allem aber könnte sie
die "Eroberung" Europas ausgelöst haben. (APA/dpa)