Alitalia-Streik sorgt für Chaos

30. April 2004, 11:33
2 Postings

Über 500 Flüge ausgefallen - auch Flüge von und nach Österreich betroffen - Gewerkschaften drohen mit Dauerstreik

Rom - Wegen eines zwölfstündigen Streiks der Alitalia-Belegschaft sind am Donnerstag über 500 Flüge gestrichen worden. Der Arbeitskampf, der um 5.30 Uhr begann und bis 18 Uhr weitergeführt wird, sorgte für chaotische Zustände auf den größten Flughäfen Italiens. Passagiere mit Alitalia-Tickets versuchten, Plätze auf Maschinen anderer Fluggesellschaften zu finden. Hunderte von Personen, vor allem ahnungslose Ausländer, warteten Stunden lang in den Flughafenhallen auf Informationen über die Flüge. Dabei kam es zu heftigen Protesten. Auch die Alitalia-Flüge aus und nach Österreich wurden gestrichen.

Laut Flughafen Wien wurden am Donnerstag vier Flüge gestrichen. Zwei davon sollten nach Mailand (12.05 und 18.10 Uhr) gehen, zwei nach Rom (9.15 und 20.35 Uhr). Die Frühmaschine nach Mailand ist um 7.05 Uhr planmäßig aufgestiegen, so die Alitalia auf APA-Anfrage. Auch vier eingehende Flüge nach Wien sind ausgeblieben: Flugzeuge aus Rom sollten um 8.40 und um 19.55 Uhr ankommen, aus Mailand um 11.25 und um 16.05 Uhr. Über die Zahl der betroffenen Passagiere konnte die Alitalia keine Auskunft geben.

Dauerstreik angedroht

Die italienischen Gewerkschaften drohten mit einem Dauerstreik, sollte die Regierung Berlusconi diese Woche ein angekündigtes Dekret mit Maßnahmen zur Unterstützung des Flugverkehrs nicht beschließen, von dem auch Alitalia indirekt profitieren würde. Die Regierung Berlusconi ist bezüglich der Effekte des Dekrets skeptisch, laut Experten würden hauptsächlich Konkurrenten der Alitalia profitieren. Das Kabinett wartet auf eine Einigung zwischen Alitalia-Management und Gewerkschaften über einen Sanierungsplan, den der Präsident der Gruppe, Giuseppe Bonomi, am kommenden Montag vorstellen will.

"Wir denken an die Ergreifung starker Maßnahmen. Nur so können wir für die Sanierung und den Neubeginn sorgen und zugleich die Arbeitsplätze retten. Die schwere Krise, in der sich die Fluggesellschaft befindet, muss allen klar sein", betonte Bonomi. Er kritisierte den unangemeldeten Streik des Alitalia-Personals am Mittwoch und den zwölfstündigen Arbeitskampf am Donnerstag. "Streikaktionen wie in diesen Tagen helfen unserer Arbeit nicht. Es handelt sich um unverantwortliche Protestaktionen", bemängelte der Alitalia-Präsident.

Personal drohen schwere Strafen

Die Gewerkschaften ließen sich nicht einschüchtern. "Ohne klare Signale von Seiten der Regierung wird es zu weiteren Protestaktionen kommen", so ein Sprecher der Alitalia-Belegschaft in Rom, die sich vor dem Haupteingang des Flughafens Fiumicino zu einer spontanen Demonstration versammelte. Dem Personal drohen schwere Strafen wegen Verletzung des Streikrechts. Streikaktionen im öffentlichen Verkehr müssen laut italienischem Streikrecht mindestens zehn Tage vor der Arbeitsniederlegung angemeldet werden.

Die Gewerkschaften trafen am Donnerstagnachmittag mit Regierungsvertretern zusammen, um die Grundzüge eines Rettungsplans für Alitalia zu diskutieren, an dem das Management der Airline feilt. "Die Regierung wünscht sich keineswegs einen Konkurs der Alitalia, weil dies für das ganze Land verheerende Folgen hätte. Wir wollen die Fluggesellschaft retten, müssen jedoch auch Brüssels Vorschriften in punkto Staatshilfen berücksichtigen", erwiderte Europaminister Rocco Buttiglione. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.