Thailands Regierung verteidigt hartes Vorgehen gegen Moslemrebellen

30. April 2004, 14:59
2 Postings

"Human Rights Watch" fordert unabhängige Untersuchung - Aufständische "warnen" Urlauber

Pattani/Bangkok - Die thailändische Regierung hat ihr hartes Durchgreifen gegen moslemische Aufständische im Süden des Landes verteidigt. "Wenn sie einen angreifen, muss man tun, was man tun kann", sagte Innenminister Bokhin Bhalakula am Donnerstag in der Hauptstadt Bangkok. "In den vergangenen drei Monaten haben wir unschuldige Menschen verloren." Die Aufständischen hätten "unbescholtene Bürger, Regierungsmitarbeiter, Militärs, sogar einfache Arbeiter ohne jeden Grund getötet". Das thailändische Militär habe am Mittwoch auf die Rebellen geschossen, "um sich zu verteidigen".

Die USA und Menschenrechtsorganisationen hatten sich darüber besorgt gezeigt, dass die thailändische Armee bei den bisher schwersten Kämpfen im moslemischen Süden mit unverhältnismäßiger Gewalt gegen die Aufständischen vorgegangen sei, die größtenteils nur mit Macheten bewaffnet waren. Bei den Kämpfen kamen mindestens 108 Aufständische ums Leben.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hat Thailand zu einer unabhängigen Untersuchung des Blutvergießens aufgefordert. Die Behörden sollten eine Kommission einrichten, die das Vorgehen der Polizisten und Soldaten überprüfen müsse, erklärte die Organisation am Donnerstag.

Die Südprovinzen an der Grenze zu Malaysia haben eine moslemische Bevölkerungsmehrheit in dem überwiegend buddhistischen Königreich. Ihre Wurzeln hat die gegenwärtige Rebellenbewegung in der Beteiligung thailändischer Moslems am Afghanistan-Krieg (1979-89). Nach ihrer Rückkehr gründeten sie die islamistische Bewegung Mujaheddin Pattani. Nach amtlichen Angaben sind 4,6 Prozent der über 60 Millionen Einwohner Thailands moslemischen Glaubens. Ministerpräsident Thaksin Shinawatra bezeichnete die Angreifer als "Banditen", die Waffen stehlen wollten. Darunter seien "jugendliche Drogenabhängige". Es gebe aber keine Verbindung zum Terrorismus.

Warnung an Urlauber

Am Donnerstag warnten die moslemische Aufständischen ausländische Urlauber vor möglichen Ausschreitungen. "Wer Thailand besuchen möchte, wird davor gewarnt, in die Gegend um Pattani Raya (...) und die benachbarten Provinzen zu reisen", teilte die Dachorganisation der Rebellen Bersatu am Donnerstag mit. Betroffen von der Warnung sind auch die beliebten Urlaubsorte Phuket, Krabi und Phi Phi. "Die Einwohner sind nicht für das verantwortlich, was ihnen (den ausländischen Touristen) nach dieser Warnung passieren könnte." Die Mitteilung wurde auf der Internet-Seite einer Bersatu-Mitgliedsorganisation, der Vereinigten Befreiungsfront für Pattani (PULO), veröffentlicht.(APA/AP)

Share if you care.