Hauptschule Ohlsdorf: Kleiderordnung ist beschlossene Sache

29. April 2004, 21:20
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Das Schulforum aus Eltern, Lehrern und einer Vertreterin der Schüler stimmten für das strikte Reglement

Linz - Das Verbot allzu freizügiger oder mit anstößigen Sprüchen versehener Kleidung an der Hauptschule Ohlsdorf (Bez. Gmunden) bleibt aufrecht. Das Schulforum zusammengesetzt aus sieben Vertretern der Eltern, acht der Lehrer und einer Vertreterin der Schüler beschloss einstimmig zwei entsprechende zusätzliche Punkte zur Hausordnung. Schuldirektor Walter Zehetner war nicht stimmberechtigt. Die Aktion kritischer Schüler, deren Vorsitzende Rebecca Kampl nach Ohlsdorf gekommen war, war damit nicht zufrieden.

Ohlsdorf erlebte am Abend starkes Interesse der Medien. Über die Gesichter von Einheimischen huschte ein Lächeln, wenn sie Autos mit Linzer oder Wiener Nummer im Ort herumfahren sahen. In den Geschäften war die Kleiderordnung in der Hauptschule Tagesgespräch.

Vor der Schule marschierten Mitglieder der Aktion kritischer Schüler (AKS) in Lederhosen auf. Sie bezeichneten die Bekleidungsvorschrift als gesetzeswidrig und forderten mehr Demokratie an den Schulen. Das Schulforum sei ein erster Erfolg.

"Gummiparagraphen"

Schuldirektor Zehetner wies den Vorwurf der Gesetzeswidrigkeit zurück. Es gebe "Gummiparagraphen", die sich im Ernstfall ausdehnen ließen. Er hatte die Glastür beim Eingang der Schule versperrt und öffnete lediglich für die Teilnehmer am Schulforum. Der dazu aus Linz angereiste Landesschulinspektor Herbert Saxinger sprach im Vorbeigehen an den wartenden Journalisten davon, dass die Sache "hochgespielt" worden sei. Es gehe nur darum, dass die Hausordnung ergänzt werden solle. Landesschulsprecher Christian Mayrhofer durfte nicht in die Schule.

Ein Mann, der sich als Vater eines Schülers bezeichnete, wurde ebenfalls nicht mehr in das Gebäude eingelassen. Er erklärte, er sei entsetzt, welche Schule sein Sohn besuche. Dem Direktor warf er autoritäres Verhalten vor.

Ein Problem sei nur, wenn es "extrem" werde

Nach rund eineinhalb Stunden Beratung teilte Direktor Zehetner das Ergebnis mit. Die Hausordnung werde um zwei Punkte ergänzt: Die Kleidung müsse dem Unterricht angemessen sein. Und: Kleidung mit Schimpf- oder gewaltverherrlichenden Worten sei verboten. Auf die Gegenfrage, ob das nicht Auslegungssache sei, stellte Zehetner fest, "bauchfrei oder Spaghetti-Träger waren in Ohlsdorf noch nie ein Problem und werden es nie sein". Ein Problem sei nur, wenn es "extrem" werde, beispielsweise "wenn man den Busen sieht".

"Protestmarsch in Unterwäsche"

Inspektor Saxinger betonte, im Schulforum sei ein "konstruktives pädagogisches Gespräch" geführt worden, eine Bekleidungsnormierung sei aus dem Entscheid nicht abzulesen, es sei nur eine Grenze gezogen worden. Kampl widersprach: "Sie rechne bald mit einem Verbot von Dreadlocks an einer anderen Schule. Der angedrohte "Protestmarsch in Unterwäsche" werde kommen, den Zeitpunkt ließ sie noch offen. (APA)

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