Bitterer Reichtum

13. Juli 2004, 14:32
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Eric Frey über das Sparverhalten der Österreicher

Wenn in einem Jahr das Finanzvermögen der Österreicher um sechs Prozent oder 16 Milliarden Euro steigt, dann ist das eigentlich eine gute Nachricht. Pro Kopf und Nase ist jeder Österreicher im vergangenen Jahr um rund 2000 Euro wohlhabender geworden.

Doch dieser Zuwachs geht darauf zurück, dass die Bürger mehr gespart und weniger konsumiert haben - aus Sorge um den Arbeitsplatz oder aus genereller Zukunftsangst. Das führt zu weniger Konsum, geringeren Einnahmen für den Handel und viele Betriebe und damit zu weniger Wirtschaftswachstum. Der Vermögensanstieg ist bloß die Kehrseite der Konjunkturflaute.

Geholfen hat manchen auch der Anstieg der Aktienmärkte, vor allem der Wiener Börse. Doch dieser Reichtum ist - wie man in den späten Neunzigerjahren gelernt hat - höchst vergänglich.

Dennoch wäre es nicht wünschenswert, wenn die Österreicher nun ihre Sparbücher und Wertpapierdepots plündern und auf Teufel komm raus konsumieren. Die Gesamtverschuldung der österreichischen Gesellschaft ist nämlich wegen des unter- finanzierten Pensionssystems eine der höchsten der Welt.

Das schleppende Tempo bei der Pensionsreform und -harmonisierung droht dieses Problem weiter zu verschärfen. Das heißt: In Zukunft müssen wir noch mehr sparen, da wir sonst für unsere Altersvorsorge nicht aufkommen können.

Die oft geforderte Ankurbelung der privaten Nachfrage ist daher langfristig kein probates Mittel, um die bitter benötigten zusätzlichen Arbeitsplätze zu schaffen. Die Unternehmen müssen dazu gebracht werden, bei gleicher Nachfrage mehr Menschen zu beschäftigen. Das geht nur über einen flexibleren Arbeitsmarkt und eine Entlastung bei Lohnnebenkosten - was von der Regierung zwar versprochen, aber wieder vergessen worden ist. (DER STANDARD Printausgabe, 29.04.2004)

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