Terror erreicht nun auch Syrien

29. April 2004, 08:50
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Autobombe und Feuergefecht vor UNO-Gebäude in Damaskus

Damaskus/Kairo - Nur wenige Tage nach den Meldungen über einen vereitelten Chemieanschlag in Jordanien macht das Nachbarland Syrien ähnlich Schlagzeilen. Im noblen Vorort Mazzeh, einem Stadtteil im Westen von Damaskus, in dem viele Botschaften ihren Sitz haben, zündeten am Dienstagabend Unbekannte eine Autobombe vor einem leer stehenden UN-Gebäude. In der anschließenden Schießerei mit Sicherheitskräften wurden zwei Angreifer, ein Polizist und eine Passantin getötet.

In dem Gebäude waren früher UN-Beobachter für den Golan untergebracht gewesen. Der Ort der Explosion liegt in unmittelbarer Nähe der kanadischen und der iranischen Botschaft und der britischen Residenz. Die Polizei fand später in einem Versteck im nahe gelegenen Dorf Khan al-Shih ein kleines Lager mit Waffen und Sprengstoff.

Die syrischen Behörden machten keine Angaben über die vermutete Herkunft der Militanten. Die staatliche Nachrichtenagentur SANA sprach lediglich von "einer terroristischen Bande". "Sie wollten den Eindruck vermitteln, dass es keinen Platz gibt, der sicher vor solchen Aktionen ist", erklärte ein Regierungssprecher in Al-Jazeera. "Die Sicherheit und die Stabilität Syriens sei die röteste aller Linien", warnte die Zeitung al-Baath der Regierungspartei. Gegen alle terroristischen Akte werde hart vorgegangen.

Kurdenproteste

Seit der blutigen Niederschlagung eines Aufstandes in der Stadt Hama in den 80er-Jahren gab es in diesem autoritären Polizeistaat keine ähnlichen Gewaltakte mehr. Im März kam es allerdings zu großflächigen Protesten der kurdischen Minderheit, die in blutigen Unruhen mündeten.

Washington beschuldigt Syrien seit Beginn des Irakkrieges, als Transitland für ausländische Widerstandskämpfer zu dienen. Die Regierung in Damaskus hat dies stets bestritten und vor allem nie einen Zweifel daran gelassen, dass Mitglieder des Terrornetzwerkes Al-Kaida in Syrien nichts zu suchen haben. Mit seiner strikt antiamerikanischen Politik und seinem ausgeprägten Engagement für die Sache der Palästinenser hat Staatspräsident Bashar al-Assad islamistischen Extremisten keine Vorwände geliefert, um Syrien als Ziel für terroristische Anschläge auszusuchen. In einem bereits vor den Ereignissen in Damaskus aufgezeichneten Interview, das Al-Jazeera am Mittwoch ausstrahlte, erklärte der syrische Präsident noch einmal ausdrücklich, dass er den Widerstand gegen die amerikanischen Besetzer im Irak als legitim erachte. (DER STANDARD, Printausgabe, 29. 04. 2004)

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