US-Sender ABC will Namen aller im Irak getöteten Soldaten verlesen

30. April 2004, 15:28
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"Nightline"-Sondersendung mit dem Titel "Die Gefallenen"

In einer außergewöhnlichen Aktion will der US-Fernsehsender ABC die Namen der mehr als 520 bisher durch feindliche Angriffe im Irak getöteten Soldaten verlesen. Ted Koppel, einer der bekanntesten Nachrichtenmoderatoren des Landes, will am Freitag seine gesamte halbstündige "Nightline"-Sendung darauf verwenden, den Namen jedes einzelnen dieser Soldaten zu vorzulesen. Dazu soll von jedem ein Foto gezeigt werden.

Leroy Sievers, ein leitender "Nightline"-Redakteur, bestritt eine politische Motivation für die Sondersendung mit dem Titel "Die Gefallenen". "Nightline" habe die Gefahr erkannt, dass die Toten zu "bloßen Zahlen" würden. Mit der Aktion sollten die Zuschauer daran erinnert werden, dass hinter den Zahlen "Namen und Gesichter" steckten.

725 Soldaten kamen bisher im Irak ums Leben

Die Sondersendung wird zu einem Zeitpunkt ausgestrahlt, da die Zahl der US-Todesopfer im Irak wachsende Aufmerksamkeit in der US-Öffentlichkeit findet. Am Samstag wird es außerdem ein Jahr her sein, dass Präsident George W. Bush in einem spektakulär inszenierten Auftritt auf einem Flugzeugträger vor der kalifornischen Küste die Hauptkampfhandlungen im Irak für beendet erklärt hatte.

Der April war der schlimmste Monat für die US-Streitkräfte im Irak seit der Eroberung Bagdads vor einem Jahr. Mehr als 115 US-Soldaten wurden allein in diesem Monat getötet. Insgesamt kamen seit Beginn der Militäraktion 725 Soldaten ums Leben, mehr als 200 davon durch Unfälle und Selbstmorde.

In der vergangenen Woche hatten bereits in zahlreichen Zeitungen gedruckte Fotos der Särge von US-Soldaten für Aufsehen gesorgt. Das Pentagon hat ein striktes Foto- und Filmverbot für die Medien am Luftwaffenstützpunkt Dover verhängt, wo die Leichen aus dem Irak ankommen. Die Aufnahmen der in US-Flaggen gehüllten Särge waren von einer inzwischen entlassenen Beschäftigten an der Basis gemacht und zunächst auf einer Internetseite gezeigt worden. (APA/AFP)

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