Ex-DDR-Grenzer wegen Schüssen an der Mauer vor Gericht

30. April 2004, 10:54
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Angeklagter soll zwei flüchtende Menschen erschossen haben

Berlin - Mehr als 14 Jahre nach dem Fall der Mauer steht seit Mittwoch ein 40 Jahre alter ehemaliger DDR-Grenzsoldat in einem der letzten Mauerschützen-Prozesse in Berlin vor Gericht. Der Mann soll 1986 zwei Menschen erschossen haben, als sie über die Mauer nach West-Berlin flüchten wollten. Der Angeklagte gab zu, geschossen zu haben. Laut Verteidigung ist aber nicht nachgewiesen und nicht mehr nachweisbar, ob die Schüsse tödlich waren. Zum Zeitpunkt des Fluchtversuchs hätten mehrere Grenzsoldaten geschossen.

Das Ermittlungsverfahren war 1996 aus diesem Grund eingestellt worden. Danach tauchte ein Dienstbericht auf, den der Angeklagte geschrieben haben soll. Daraufhin hatte die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen wieder aufgenommen und Anklage erhoben. Die Verteidigung zweifelt die Echtheit des Berichts an, der nicht die Unterschrift des Angeklagten trägt. Der Beschuldigte kann sich nach eigenen Worten nicht mehr an den Inhalt seines damaligen Berichts erinnern.

Eines der Opfer war am Bein getroffen worden und dann verblutet. Der zweite Mann wurde durch ein abgepralltes Projektil am Kopf tödlich verletzt, obwohl er die Flucht schon aufgegeben hatte. Die Anklage vor dem Berliner Landgericht lautet auf zweifachen Totschlag. Das Urteil wird für den 10. Mai erwartet. (APA/dpa)

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