Der Soundtrack zum Blutgericht

28. April 2004, 14:49
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Charlie Feathers, Shivaree und der gute Rest von "Kill Bill Vol.2." - ein durchwachsenes Album

Die Soundtracks zu Quentin Tarantinos Filmen entsprechen seit seinem Erstling Reservoir Dogs seiner Liebe zum Detail. Ebenso insiderisch wie er die Filmgeschichte plündert - Pardon - zitiert, fördert er auch für die Musik in seinen Werken mehr oder weniger obskure Stücke zutage - und verbindet sie kongenial mit Filmszenen. Eine diesbezüglich als Klassiker einzustufende Szene ist das fröhlich-poppige Stuck In The Middle With You von den britischen Beinah-Eintagsfliegen Stealers Wheel, zu dem Michael Madsen in Reservoir Dogs einen gefesselten Polizisten mit einem Rasiermesser foltert - während er zur Musik um sein Opfer tänzelt.

Mit diesem Soundtrack führte Tarantino außerdem die Gewohnheit ein, neben Musikstücken ganze Dialogteile aus seinen Filmen - quasi als narrative Bindeglieder - mit einzubauen. Etwas, das er beim Tonträger zu Pulp Fiction ebenso wiederholt hat wie in Folge bei Jackie Brown, Kill Bill Vol.1 und nun auch beim zweiten Teil, Kill Bill Vol.2.

War der Hit des ersten Teils noch das von Nancy Sinatra unter Lee Hazlewoods schattiger Ägide produzierte Bang Bang (My Baby Shot Me Down), konkurrieren im zweiten Teil Charlie Feathers und die Band Shivaree um diesen Titel. Von Feathers, der 1998 in den Rockabilly-Himmel einritt, ist das vergleichslose I Can't Hardly Stand It zu hören. Ein Song, der klingt, als hätte Feathers zuerst eine Gallone Whiskey verinnerlicht, um dann, von ruppigem Schluckauf heimgesucht, durch die Silben seines Songs zu kicksen. Der ganz normale Wahnsinn des frühen Rock'n'Roll in zweieinhalb Minuten.

Die US-Band Shivaree ist mit dem Song Goodnight Moon prominent vertreten. Einem gleichzeitig klassisch wie zeitgenössisch die Weiten des staubigen Westens beschwörenden Song, der sich bei Chris Isaak ebenso wiederfinden könnte wie auf einem Calexico-Album. Das war es aber auch schon. Gut, Johnny Cash kommt mit Satiesfied Mind vor, und Ennio Morricone ist sowieso eine sichere Bank in diesem Metier. Der gute Rest stammt meist direkt aus dem Score und kommt als reiner Audiogenuss zwar stimmig, aber nur mäßig interessant herüber.
(DER STANDARD, Printausgabe, 23.4.2004)

Von Karl Fluch
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