UNHCR: Alarmierende Flüchtlingssituation im Sudan

30. April 2004, 22:56
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Lubbers: Vertriebene können in absehbarer Zeit nicht zurück - Gewaltexzesse der Armee im Westsudan

Caritas zieht Vergleiche mit Ruanda-Genozid N'Djamena/Genf - Die Gewaltexzesse der sudanesischen Armee und der von ihr unterstützten arabischen Milizen im Westsudan sind bereits mit dem Genozid in Ruanda vergleichbar. Darauf haben internationale Hilfsorganisationen und auch die österreichische Caritas in Spendenaufrufen für die in das Nachbarland Tschad geflüchteten Menschen aus der Konfliktregion Darfur hingewiesen.

Eine Million Menschen sind in den vergangenen 14 Monaten aus ihren Heimatorten vertrieben worden, rund Zehntausend wurden umgebracht, mehr als 100.000 flüchteten in den Tschad. Dort seien sie in völlig überfüllten Auffanglagern ohne ausreichende Versorgung vom Hunger bedroht. "Die Spannungen zwischen der lokalen Bevölkerung des Tschad und den Flüchtlingen um die letzten Reste an Essbarem nehmen zu", berichtete Caritas-Mitarbeiterin Geke Verspui in Genf.

Der sudanesische Präsident Omar el Bashir hatte am Dienstag die Region besucht und die Rebellen nach Berichten des staatlichen Rundfunks aufgerufen, den staatlichen Aufbau mitzutragen. Die Aufständischen sollen dazu beitragen, dass aus ihren Häusern vertriebene Menschen zurückkehren könnten. Die UN-Menschenrechtskommission hatte zuvor dem sudanesischen Regime Beteiligung an Massenmorden, Vergewaltigungen und Vertreibungen vorgeworfen.

UNHCR: Alarmierende Flüchtlingssituation im Sudan

Eine Rückkehr der aus dem Sudan vertriebenen Menschen wird nach Einschätzung des Flüchtlings-Hochkommissariats der Vereinten Nationen (UNHCR) auf Jahre hinaus unmöglich sein. "Ich befürchte, dass derzeit unter den gegebenen Umständen eine Rückkehr dieser Menschen in absehbarer Zeit nicht möglich sein wird", sagte UNHCR-Chef Ruud Lubbers am Mittwoch in Berlin. Hunderttausende Menschen seien aus der umkämpften Region Darfur auf der Flucht in das Nachbarland Tschad, erklärte der ehemalige niederländische Ministerpräsident.

Unterstützung

Das UNHCR bemüht sich nach Darstellung von Lubbers mit Unterstützung der tschadischen Regierung, die Flüchtlinge in den weit entlegenen Teilen des Landes zu versorgen. Die Vertriebenen, die sich entlang der 600 Kilometer langen Grenze zum Sudan aufhielten, würden in neu aufgebaute Lager gebracht und dort versorgt. Lubbers sagte, darüber hinaus müsse für Schutz der Menschen in Darfur selbst gesorgt werden. Einen Einsatz der NATO lehnte Lubbers ab.(apa/DER STANDARD, Printausgabe, 29. 04. 2004)

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