Austro-Banken als Pioniere

11. Februar 2005, 15:33
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Osteuropa noch länger Goldgrube - BA-CA, Raiffeisen, Erste Bank führende Player in CEE

Wien - Die österreichischen Großbanken waren bei der Eroberung der Bankenmärkte in Zentral/Osteuropa (CEE) Pioniere. Und dieser - mittlerweile weitgehend privatisierte und sanierte - Markt dürfte auch noch länger eine Goldgrube für die hier vertretenen Institute bleiben. Schon in den vergangenen Jahren hat das riskantere, aber weitaus profitablere Osteuropa-Geschäft längere Flauten im gesättigten und längst zu "kleinen" Österreich-Geschäft mehr als wett gemacht. 17 Prozent am gesamten Bankvermögen in CEE vereinigen österreichische Banken auf sich, im Kundengeschäft kommen sie in dieser Region zusammen auf 28 Prozent Marktanteil. Damit liegen sie in Osteuropa deutlich vor den Zweit- und Drittplatzierten aus Italien und Belgien.

Für die beiden börsenotierten Marktführer Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) und Erste Bank sind die Ost-Aktivitäten ausdrücklich "die" Investment-Story hinter ihren Aktien. Und auch die drittgrößte Bank Österreichs, die Raiffeisen Zentralbank (RZB), die für 2005 selber einen Börsegang ihrer Osteuropa-Bankenholding prüft, meldet schon am Beginn der Börsevorbereitungen breites Investoren-Interesse für die potenzielle Ostbanken-Aktie.

Führungsrollen im "erweiterten Heimmarkt"

Je nach Betrachtungsart (Bilanzsummen, Filialen, Mitarbeiter, Kundenzahlen) melden die drei größten heimischen Bankengruppen jeweils Führungsrollen im "erweiterten Heimmarkt" CEE an, der ab Samstag Teil der neuen EU ist. Weil die größte Bank in Österreich, die BA-CA, flächendeckend in Osteuropa vertreten ist, bekam deren deutsche Mutter HypoVereinsbank (HVB) in internationalen Analysten-Statistiken auch als einzige deutsche Großbank das Prädikat des "ernst zu nehmenden Spielers" in CEE.

"Wir haben im Kleinen die EU-Erweiterung vorweg genommen und werden davon im Großen profitieren", ist RZB-Chef Walter Rothensteiner - er ist auch Chef der Bundeskreditsparte in der Wirtschaftskammer - überzeugt. Nicht weniger als 70 Prozent des RZB-Konzerngewinns stammten 2003 aus Osteuropa. Die RZB beschäftigt insgesamt gut 21.000 Mitarbeiter: und mehr als vier von fünf RZB-Angestellten sind heute bereits in CEE tätig.

"Kriegskasse" dem Osten gewidmet

In der BA-CA, im HVB-Konzern für Osteuropa zuständig, ist seit dem vorjährigen Börsegang die "Kriegskasse" primär weiteren Ost-Expansionen gewidmet. Die BA-CA beschäftigt in CEE rund 19.000 Leute, über 10.000 davon allein in Polen. Ein Drittel des Betriebsgewinns stammte 2003 aus Osteuropa. Bankchef Erich Hampel sieht seine Bank strategisch sehr gut aufgestellt. "Wir haben in den vergangenen drei Jahren ein rundes Dutzend Transaktionen abgewickelt - und wir werden auch in Zukunft attraktive Möglichkeiten für Akquisitionen finden." Aktuell hat die BA-CA Rumäniens Großbankenszene im Visier, in dem Land der zweiten EU-Erweiterungswelle werden noch höhere Wachstumsraten erwartet als sonstwo.

Speziell bei Bankdienstleistungen haben die Einwohner in CEE noch erklecklichen Nachholbedarf. Erste-Bank-Chef Andreas Treichl schätzt, dass es noch 20 bis 30 Jahre dauert, bis sich der Lebensstandard in Osteuropa dem in Österreich angenähert hat. "So lange ist daher mit einem überdurchschnittlichen Wirtschaftswachstum und damit auch für uns mit entsprechenden Geschäftsmöglichkeiten zu rechnen". 80 Prozent der gut 11 Millionen Erste-Kunden leben in Osteuropa, also mehr als Österreich überhaupt Einwohner hat. Mehr als 22.000 Leute beschäftigt die Erste Bank in ihren Ost-Töchtern, die 54 Prozent des Konzerngewinns stellen.

"Vorreiter in Sachen EU-Erweiterung"

"Die Banken waren Vorreiter in Sachen EU-Erweiterung", sagt auch BAWAG-Chef Johann Zwettler. Wie für die anderen ist der Status Quo für die BAWAG - viertgrößte Bank Österreichs - nicht Endpunkt , sondern Basis der weiteren Entwicklungen. Bisher ist die BAWAG P.S.K. zwar nur in den in drei Nachbarländern (Tschechien, Ungarn, Slowakei) operativ vertreten, expandiert wird hier aber ebenfalls: In Tschechien kauft sie gerade die dortige "Dresdner Bank"-Tochter. In Slowenien entsteht in Kürze eine Tochterbank.

In der Österreichischen Volksbanken AG (ÖVAG) stammte im Jahr 2002 (2003er Zahlen liegen noch nicht vor) die Hälfte des Vorsteuergewinns aus den Töchtern in Osteuropa. Die Hälfte der ÖVA-Konzernmitarbeiter werken im Ausland, ebenfalls primär in CEE. Die Ostgewinne will die ÖVAG künftig mit ausländischen "Schwesterbanken" teilen, deutsche und französische Genossenschaftsbanken sollen künftig dezidiert zur weiteren Expansion der Ostbankenholding (Volksbank International) in CEE beisteuern.

Grenznahe Regionalbankinstitute

Neben den großen Playern sind auch viele andere heimische Banken im Osten aktiv: So die Investkredit-Gruppe vor allem über die Kommunalkredit, die Niederlassungen in der Slowakei, in Tschechien und Polen betreibt. Auch einzelne grenznahe Regionalbankinstitute haben im jeweiligen Nachbarland Operationen. Die Linzer Oberbank - größte der 3-Banken - hat 2005 den Markteintritt in Tschechien vor. Bei den Hypos ist die Kärntner Hypo Alpe Adria in den aktuellen und künftigen Südosterweiterungsländern besonders stark vertreten. Auch die Bank Burgenland hat eine kleine Tochterbank in Ungarn. Ost- und Südosteuropa ist auch für kleinere Privatbanken ein reiches Betätigungsfeld geworden.

Bankenvolkswirte erwarten, dass in CEE in den nächsten 10 Jahren die Kreditvolumina pro Jahr um mindestens 14 Prozent wachsen (also weit mehr als doppelt so stark wie in der jetzigen EU), und die Einlagen um 10 Prozent. Der Nachholbedarf sei "enorm". Und die Basis ist komfortabel: Sämtliche rund 300 Banken in CEE kommen zur Zeit auf eine Bilanzsumme von 350 Mrd. Euro. Dies entspricht erst 2,4 Prozent der Bilanzsumme aller Banken im Euroraum. Fest steht aber auch, dass der Eintritt der Ost- und Südosteuropa-Länder in die EU den Konkurrenzkampf auch im dortigen Bankgewerbe verschärft. Der CEE-Bankenmarkt wird heute bereits zu 75 Prozent von Auslandsbanken beherrscht.

Laut Daten der Finanzmarktaufsicht (FMA) trugen die Mittel/Osteuropa-Töchter zuletzt zusammen rund 10 Prozent der konsolidierten Bilanzsumme ihrer österreichischen Mütter bei, der Gewinnbeitrag war im Schnitt mit gut 26 Prozent (Basis EGT) aber schon mehr als doppelt so hoch.(APA)

  • Der mittlerweile weitgehend privatisierte und sanierte Bankenmarkt in Osteropa dürfte auch noch länger eine Goldgrube für die hier vertretenen österreichischen 
Institute bleiben.
    foto: photodisc

    Der mittlerweile weitgehend privatisierte und sanierte Bankenmarkt in Osteropa dürfte auch noch länger eine Goldgrube für die hier vertretenen österreichischen Institute bleiben.

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