"Progressiver als Ö3, durchgängiger als FM4"

15. Dezember 2004, 18:12
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Gotv-Geschäftsführer Thomas Madersbacher im derStandard.at- Interview über interaktives Jugendfernsehen, traumhafte Marktlücken und österreichische Bands

Der österreichische Musiksender gotv startet am 1. Mai mit der unverschlüsselten Ausstrahlung seines Programms über Astra digital. Der oberösterreichische Kabelnetzbetreiber Liwest wird das Programm bereits ab 1. Mai in sein Netz aufnehmen und auf dem Sendeplatz von Viva ausstrahlen. Die Einspeisung in weitere Kabelnetze in Österreich erfolgt laut gotv in Kürze. Durch die Verbreitung über Satellit werden eine Million Seher mehr erreicht. Derzeit kommt gotv auf über zehn Prozent Nettoreichweite aller Fernseh-Zuseher in der Altersgruppe von 12 bis 39 Jahren.

SchülerStandard: Herr Madersbacher, wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen Jugendsender zu machen? Was ist Ihre persönliche Motivation gewesen?

Thomas Madersbacher: Unsere Programmchefin Felicitas Hager und ich haben erkannt, dass es in diesem Bereich ein Defizit in der österreichischen Fernsehlandschaft gibt. Das füllen wir jetzt mit gotv aus. Persönlich habe ich selbst lange Zeit Schlagzeug gespielt – unter anderem mit Hans Platzgumer – und bin mit Popmusik und Popkultur groß geworden.

SchülerStandard: Wo besteht Ihrer Meinung nach in Österreich eine Marktlücke zwischen MTV und Ö3, ist dort überhaupt genug Raum für einen österreichischen Musiksender?

Madersbacher: Die Musik-Positionierung liegt bei uns zwischen FM4 und Ö3. Dieser Platz ist traumhaft: wir spielen die schönsten Titel beider Sender – progressiver als Ö3, durchgängiger als FM4.

SchülerStandard: Wie will sich gotv von anderen Musiksendern abgrenzen?

Madersbacher: Unser Selbstverständnis lautet: gotv – be part of it. Das bedeutet, daß wir viel näher an unseren Sehern dran sind. Deshalb sind die Personalities auf gotv ausschließlich die österreichischen und internationalen Künstler und eben unsere Seher – als gotvScouts und im Rahmen von vielfältigen Aktionen wie beispielsweise mit der gotvBOX.

SchülerStandard: Denken Sie, dass der neue Sender PulsTV, der sich ja an eine ähnlich junge Zielgruppe richtet, eine Konkurrenz für sie wird?

Madersbacher: Meiner Meinung nach wird sich PulsTV als lokaler Stadtsender an eine wesentlich breitere Alterszielgruppe wenden.

SchülerStandard: Mit welchen Aktionen wollen Sie die Jugend vor den Fernseher locken?

Madersbacher: Zum Glück haben wir in Wien und Niederösterreich ja schon eine treue Seherschaft. Die Leute wissen, daß wir ein verlässliches und vielfältiges Programmangebot senden: die beste Musik, alle wichtigen Events und laufende Aktionen mit unseren Sehern.

SchülerStandard: Was, ausser Musikvideos, steht bei gotv noch auf dem Programm?

Madersbacher: Gotv präsentiert alle wichtigen Konzerte – wir verfolgen heuer die wichtigsten Festivals und Open Air Tourneen und haben auch jede Menge Tickets für unsere Seher. Ausserdem bieten wir den vollständigen Überblick übers aktuelle Kinogeschehen und die wichtigsten Freizeit- und Fun-Events.

SchülerStandard: Werden Sie auch österreichische Bands im Programm haben und österreichischen Newcomern eine Chance geben?

Madersbacher: Seit unserem Start in Wien im Herbst 2002 hat sich die Produktion österreichischer Musikvideos vervielfacht und es hat einen echten Quantensprung bei der Qualität gegeben. Was dazu geführt hat, dass auf gotv mittlerweile laufend mehrere sehr gute österreichische Bands auf Powerrotation sind.

SchülerStandard: Was halten Sie von den ganzen Castingshows wie "Starmania" oder "Deutschland sucht den Superstar"?

Madersbacher: Das geht vorbei.

SchülerStandard: Was ist Ihr persönlicher Musikgeschmack? Schauen Sie sich gotv auch "privat" an?

Madersbacher: Ich mag zum Beispiel die Dandy Warhols, Coldplay, P!NK, Sean Paul und die hervorragende österreichische Band The Seesaw...

SchülerStandard: Wie "jung" ist das gotv Team durchschnittlich? Glauben Sie, dass nur junge Leute "junges" Fernsehen machen können?

Madersbacher: Im Schnitt sind es etwa 25 Jahre. Unabhängig vom Alter: Auf jeden Fall muss man das mögen, was man macht.

SchülerStandard: Welche Chance haben junge Leute, bei gotv ein Praktikum oder Ähnliches zu ergattern? Gibt es so etwas bei Ihnen?

Madersbacher: Eine Chance besteht natürlich, allerdings bewerben sich immer viel mehr Leute, als wir nehmen können.

SchülerStandard: Was ist Ihr Traum, gotv betreffend? Wieviel Quote wollen Sie erreichen?

Madersbacher: Unser Ziel ist es, in Österreich eine unverzichtbare Größe im Jugendgeschehen und in der Musiklandschaft zu sein. Frei nach unserem Motto: gotv – be part of it

Von Anita Zielina

Link

www.gotv.at
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