Essen lehren mit humanistischem Ansatz

20. Juli 2005, 14:26
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"Slow Food" richtet in Italien eine "Universität gastronomischer Wissenschaften" ein

Rom - Freunde der universell betrachteten Esskultur warten mit großem Interesse auf die Einweihung der "Universität gastronomischer Wissenschaften", die im Oktober im noblen Savoyen-Palast der norditalienischen Kleinstadt Pollenzo (Piemont) ihren Betrieb aufnehmen wird. Rund 500 Anmeldungsformulare trafen bisher aus 30 verschiedenen Ländern ein, darunter fünf aus Österreich. Doch nur 60 Bewerber werden einen Studienplatz erhalten.

Die Universität bietet dreijährige Kurse zur Ausbildung von Wirten. Zugleich sind auch zweijährige Kurse für Marketing, Tourismus und gastronomischen Journalismus geplant. Gelehrt wird dabei vor allem vor soziokulturellem Hintergrund, das Studium soll sich durch einen "humanistischen Ansatz" deutlich von "technischen" Ernährungswissenschaften abheben.

Die Privatuniversität entstand aus der Zusammenarbeit von "Slow Food", einer zum Schutz der biologischen Vielfalt und der lokalen gastronomischen Kultur entstandenen Bewegung, mit den Regionen Piemont und Emilia Romagna. Die Immatrikulation ist nicht billig, 19.000 Euro pro Jahr müssen die Studenten zahlen. Inbegriffen ist allerdings das Wohnen in Einzelzimmern, Essen und die Kosten für Exkursionen.

Zu den Professoren zählen auch die indische Physikerin und Agrarwissenschafterin Vandana Shiva und Bernward Geier, Direktor der "International Federation of Organic Agriculture Movements".

"Die Universität will der Gastronomie eine akademische Würde geben und eine neue Nahrungsmittelkultur fördern, sagt der Präsident von "Slow Food", Carlo Petrini. Die Bewegung, die vor rund 18 Jahren als Reaktion auf die massenhafte Eröffnung von Fastfoodrestaurants in Italien entstanden war, ist inzwischen zu einem internationalen Verband mit 70.000 Anhängern weltweit aufgerückt. (APA, ER STANDARD, Printausgabe vom 28.4.2004)

Von
Michaela Taroni

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www.unisg.it

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