Vor stauender Erweiterung

30. April 2004, 13:54
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Tag der Arbeit und Tag der Osterweiterung: Am Wochenende wird es auf Straßen und Geleisen lebhaft zugehen

Tag der Arbeit und Tag der Osterweiterung: Am Wochenende wird es auf Straßen und Geleisen in ganz Österreich verkehrstechnisch gesehen lebhaft zugehen. Staus und stundenlange Grenzwartezeiten werden befürchtet.

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Das Wochenende bringt nicht nur die Erweiterung der EU um zehn Staaten, sondern auch Staus auf den Straßen und kostenlose Bahnfahrten. Und wer mit dem Flieger auf einen Kurztrip in eines der neuen Unionsmitglieder jetten will, kann dies dank Klimaschutztickets "CO-neutral" machen.

Schon ab Donnerstagnachmittag rechnen die Autofahrerklubs mit sehr, sehr langsamen Geschwindigkeiten auf der Südosttangente und der Südautobahn bei Wien sowie den Ausfallstraßen der Landeshauptstädte. Da auch unsere deutschen Nachbarn auf die Idee kommen könnten, sich den Freitag freizunehmen, wird wohl auch auf den Nord-Süd-Verbindungen in Salzburg und Tirol die Freude am Fahren in den Frust übers Stehen umschlagen. Spätestens am Samstag heißt es dann an den Grenzübergängen "bitte warten".

ÖBB mit Freifahrten

Eng könnte es aber nicht nur auf den Auto-, sondern auch in den anderen Bahnen in Ostösterreich werden. Denn anlässlich der Osterweiterung bieten die ÖBB am Samstag und Sonntag Freifahrten in den direkten grenzüberschreitenden Nahverkehrszügen an. Von Wien kommt man so beispielsweise kostenlos nach Bratislava, Györ und Sopron.

Wer den Tag der Arbeit und den des Herrn dagegen in Warschau, Riga oder Tallinn verbringen will, wird wahrscheinlich auf dem Luftweg reisen. Was umweltschutzmäßig ziemlich böse ist, wirkt doch das dabei produzierte Kohlendioxid durch die größere Höhe noch klimagefährdender als auf dem Boden.

Sich quasi freikaufen

Um dennoch mit gutem Gewissen über den Wolken zu düsen, bieten verschiedene Organisationen die Möglichkeit, sich quasi freizukaufen. Für einen bestimmten Preis, der von der Länge der Reisestrecke und damit den Co-Emissionen abhängig ist, kann man sich Zertifikate bestellen, die Einnahmen gehen dann in Klimaschutzprojekte.

Eine dieser Organisationen ist "myclimate", die an der Zürcher Eidgenössischen Technischen Hochschule entstanden ist. Auf der Webseite können so genannte Myclimate-Tickets bestellt werden. Geht der Flug beispielsweise von Wien nach Warschau und retour, werden für die 1098 Kilometer lange Strecke umgerechnet 16,14 Euro fällig. Mit dem Geld wird dann unter anderem die Warmwasseraufbereitung einer Schule in Costa Rica von Dieselaggregaten auf Solarkollektoren umgestellt. (Michael Möseneder/DER STANDARD; Printausgabe, 28.4.2004)

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