Frankreich: Giscard nimmt nach 50 Jahren Abschied von Politik

29. April 2004, 10:33
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Als erster Ex-Präsident tritt er dem Verfassungsrat bei

Paris - Nach knapp 50 Jahren Tätigkeit in der Politik hat der ehemalige französische Präsident Valery Giscard d'Estaing nun beschlossen, seine politische Laufbahn zu beenden und dem Verfassungsrat beizutreten, wie es ihm sein Status als Altpräsident erlaubt. Der 78-Jährige, zuletzt Vorsitzender des EU-Reformkonvents zur Ausarbeitung der Europäischen Verfassung, beschloss seinen Abschied von der Politik nach seiner katastrophalen Niederlage bei den Regionalwahlen vom vergangenen März in seiner Heimatregion Auvergne, deren Geschicke er seit drei Legislaturperioden leitete.

Giscard, der als erster Ex-Präsident dem Verfassungsrat beitritt, wird das zehnte Mitglied dieser hohen rechtsprechenden Institution werden. Die übrigen neun Mitglieder werden zu je einem Drittel vom Präsidenten der Republik und von den beiden Parlamentskammern ernannt. Den Vorsitz führt der UMP-Politiker Pierre Mazeaud, ein enger politischer Freund von Präsident Jacques Chirac.

Erstes Mandat 1956

Der 1926 aus dem damals unter französischer Verwaltung befindlichen Koblenz gebürtige Giscard eroberte sein erstes Mandat 1956 in der Auvergne, als er in die Nationalversammlung gewählt wurde. Er besuchte die elitäre Verwaltungshochschule ENA und wurde mit 36 Jahren zum jüngsten Finanzminister in der französischen Geschichte. Mit 48 Jahren wurde er im Jahr 1974 auch zu einem der jüngsten Staatspräsidenten in dem Land.

Um sich von den Gaullisten des "Rassemblement pour la Republique" (RPR, nunmehr UMP) von Jacques Chirac abzuheben, gründete Giscard am 1. Februar 1978 die "Union pour la Democratie francaise" (UDF), die er bis 1998 selbst leitete. Seit seiner Niederlage bei der Präsidentenwahl von 1981 gegen den Sozialisten Francois Mitterrand (PS) arbeitete Giscard vergeblich an einem innenpolitischen Comeback. Zuletzt stellte der Zentrumspolitiker im Jahr 2002 die Möglichkeit in Aussicht, erneut für das Präsidentenamt zu kandidieren, nahm von dem Vorhaben aber bald wieder Abstand. Im vergangenen Dezember wurde er in die Academie Francaise gewählt. (APA)

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