"Gebt den Universitäten ihre Häuser zurück"

28. April 2004, 17:48
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Linzer Vizerektor: "Entsetzliche" Bilanzen

Linz - "Gebt den Unis ihre Häuser zurück", fordert Vizerektor Franz Wurm von der Universität Linz. Zuständig für Finanz- und Ressourcenmanagement, verlangt er zur Sanierung dieser Enteignung von der Regierung "gezielte Mittelzufuhren", also Geld zum "Vermögensaufbau".

Grund für das Forderungspaket sind die Probleme, mit denen die autonomen Unis bei der Erstellung ihrer Eröffnungsbilanzen konfrontiert waren. Bisweilen sehen die Bilanzen "entsetzlich" aus, sagt Wurm im Gespräch mit dem STANDARD. "Geringe oder gar negative Eigenmittel" und hohe Abfertigungsrückstellungen für Personal bringen die Universitäten ziemlich in die Bredouille.

Wurm - vor seinem Wechsel ins Uni-Management Finanzvorstand bei Borealis, einem der weltweit führenden Kunststoffhersteller in Dänemark - kennt die Tücken der Bilanzerstellung. Er kritisiert, dass "manche Uni mangels Vermögen kaum eine Eröffnungsbilanz mit entsprechendem Eigenkapital erstellen kann". Mit diesen Bilanzzahlen sind die österreichischen Unis im internationalen Vergleich "von vornherein benachteiligt", warnt Wurm.

Anders als bei Ausgliederungen in der Wirtschaft, wo man den Firmen "betriebsnotwendiges Vermögen mit auf den Weg gibt", sind die Unis fast besitzlos: "Die Politik hat uns unsere Gebäude, und damit den Vermögensansatz in der Bilanz, weggenommen", erklärt Wurm. Sämtliche Gebäude hat die Regierung nämlich an die Bundesimmobiliengesellschaft BIG verkauft. Die Unis sind nur Mieter, sie erhalten die Miete in Form eines "zu knappen" Budgets vom Ministerium.

Begünstigt seien technische Unis mit Gerätschaften, auch die Linzer Uni habe durch Sachanlagen eine relativ gute Bilanz erstellen können. "Was bleibt, sind aber vergleichsweise arme Universitäten, die ihre Situation nunmehr auch veröffentlichen dürfen."

Wurm: "Die Unis können nicht reinvestieren, wenn sie nicht mehr Geld bekommen." Linz weise nach hohen Investitionen in den letzten Jahren sieben Millionen Euro Abschreibungen pro Jahr aus - und zwei Millionen für Investition. "Geplante, notwendige Investitionen können so nicht getätigt werden. Die Substanzerhaltung ist gefährdet." (Lisa Nimmervoll/DER STANDARD, Printausgabe, 28.4.2004)

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