Gestapo: Eine "gefährliche" Frau

28. April 2004, 07:00
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Ein Porträt zum 100. Geburtstag der deutschen Widerstandskämpferin Elisabeth Schumacher

Die Hindenburgstraße. Bis vor etwa einem Jahr gab es in Darmstadt eine solche und niemand nahm daran Anstoß. Ein Straßenname wie viele andere auch. Benannt nach einer bekannten Person wie das mit Straßenbezeichnungen eben üblich ist. Dass Paul von Hindenburg Adolf Hitler damals - wer erinnert sich schon gerne an diese Zeit - zum Reichskanzler ernannt hatte, wissen/wussten die einen nicht, die anderen wollten es vergessen. Bis eine engagierte Stadtverordneten-Fraktion in Darmstadt die Umbenennung der Hindenburgstraße nach der aktiven Darmstädter Hitler-Gegnerin Elisabeth Schumacher forderte.

"Elisabeth Schumacher wurde am 22. Dezember 1942 in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Wir meinen, dass der Name dieser mutigen Frau für Ihre Straße würdiger ist als der des Militaristen Hindenburg. Eine Umbenennung Ihrer Straße wäre ein weit über die Darmstädter Stadtgrenzen hinaus wirkendes Zeichen gegen Militarismus und Rechtspopulismus", hieß es in dem Schreiben von Stadtverordnetem Rainer Keil an die BewohnerInnen der Hindenburgstraße, in dem der Antrag begründet wurde.

Biografische Daten

Die Jüdin Elisabeth Schumacher, Tochter von Annerose Schumacher und Ingenieur Fritz Hohenemser, wurde am 28. April 1904 in Darmstadt geboren. Sie besuchte "höhere Töchterschulen" in Straßburg und Meiningen und studierte zwischen 1921 und 1926 an Kunstgewerbeschulen in Offenbach und Frankfurt am Main, unterbrochen durch Erwerbsarbeit. Ab 1934 lebte sie mit ihrem Ehemann, dem Bildhauer und Kommunisten Kurt Schumacher, in Berlin-Tempelhof und arbeitete als freie Grafikerin am Deutschen Arbeitsschutzmuseum.

Antifaschistischer Widerstand

Gemeinsam nmit ihrem Mann beteiligte sie sich schon früh am Widerstand gegen Hitler etwa durch Herstellung von Flugschriften sowie aktive Unterstützung politisch Verfolgter. Seit den späten 30er-Jahren gehörte sie einer antifaschistischen Widerstandsgruppe an, für welche die Gestapo nach deren Entdeckung die Sammelbezeichnung "Rote Kapelle" erfunden hatte. Am 22. Dezember 1942 wurde Elisabeth Schumacher, ihr Ehemann und etwa 50 andere der Gruppe "wegen Vorbereitung zum Hochverrat, Feindbegünstigung und Spionage" zum Tod verurteilt und im Zuchthaus Plötzensee durch das Fallbeil getötet.

Gedenktafel in Darmstadt

Am Haus Kettenhofweg 46 in Darmstadt, in dem Elisabeth Schumacher zwischen 1921 und 1924 gewohnt hatte, wurde vor zehn Jahren, am 29. April 1994, eine Gerdenktafel, gestaltet vom Künstler Günter Maniewski, angebracht. Unter anderem ist zu lesen: "Als Mitglied der Widerstandsgruppe "Rote Kapelle" wurde sie in Plötzensee hingerichtet". (red)

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    Geboren am 28.04.1904 in Darmstadt
    Ermordet am 22.12.1942 in Berlin-Plötzensee
  • Gedenktafel für Elisabeth Schumacher in Darmstadt.
    Gedenktafel für Elisabeth Schumacher in Darmstadt.
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