Syrien: Vier Tote bei Gefecht zwischen Polizei und Terroristen

28. April 2004, 18:42
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Angriff in Diplomatenviertel von Damaskus - UN-Gebäude schwer beschädigt - Waffenversteck ausgehoben - Syrische Behörden gehen von islamistischer Urheberschaft aus

Damaskus(London - Bei dem schweren Gefecht zwischen syrischen Sicherheitskräften und mutmaßlichen Terroristen in einem Damaszener Diplomatenviertel sind vier Menschen getötet worden. Das teilte ein Sprecher des Innenministeriums am späten Dienstagabend mit. Bei den Toten handle es sich um zwei Angreifer, einen Polizisten und eine Passantin, meldete die amtliche Nachrichtenagentur SANA. Bei den Kämpfen im Viertel Massa sei ein leer stehendes UNO-Gebäude schwer beschädigt worden, hieß es weiter.

"Terroristischer Zwischenfall"

Der SANA-Meldung zufolge zündeten vier Bewaffnete eine unter einem Auto platzierte Bombe, die ein nicht weiter identifiziertes nahe stehendes Gebäude beschädigte. Sicherheitskräfte hätten die Gruppe danach umstellt und es sei zu einem heftigen Schusswechsel gekommen. Es handle sich um einen "terroristischen Zwischenfall", den die Regierung verurteile.

In Massa im Westen von Damaskus befinden sich der Wohnsitz des britischen Botschafters, die iranische und die kanadische sowie auch die österreichische Botschaft, ein saudiarabisches Konsulat und Büros der amtlichen iranischen Nachrichtenagentur IRNA. Das britische Außenministerium bestätigte, dass es "nahe dem Wohnhaus des iranischen Botschafters und in der Nachbarschaft des Hauses des britischen Botschafters" eine Explosion und ein Feuergefecht gegeben habe. In der britischen Botschaft sei niemand verletzt worden, sagte ein Ministeriumssprecher in London.

Waffenversteck

Wenige Stunden nach dem Angriff haben die Behörden ein Waffenversteck der Attentäter ausgehoben. In der Ortschaft Khan al Shih, etwa 25 Kilometer südlich von Damaskus, seien "Waffen und Sprengstoff" sichergestellt worden, meldete die amtliche syrische Nachrichtenagentur SANA am Mittwoch. Sie gehörten demnach "der terroristischen Gruppe", die den Anschlag in einem Botschaftsviertel im Westen der Hauptstadt verübt habe.

Syrische Behörden gehen von islamistischer Urheberschaft aus

Nach Angaben aus dem syrischen Innenministerium explodierte am Dienstagabend in einem Diplomatenviertel eine Autobombe vor einem leer stehenden UNO-Gebäude. Anschließend lieferte sich die Polizei mit vier schwer bewaffnete Männern ein einstündiges Feuergefecht. Dabei seien zwei der mutmaßlichen Terroristen, ein Polizeibeamter sowie eine Passantin ums Leben gekommen. Die Hintergründe der Zwischenfälle liegen im Dunkeln.

Die syrischen Behörden vermuten militante Islamisten hinter dem Anschlag. Der Chefredakteur der amtlichen Zeitung "Al Baath", Mahdi Dahlalla, sagte, er sei vermutlich in einer Reihe mit anderen Anschlägen in arabischen Staaten - etwa in Saudiarabien - zu sehen. Verantwortlich für den Zwischenfall sei die Atmosphäre von Chaos und Instabilität in der Region, hieß es in Damaskus. Syrien werde sich weiter jeder terroristischen Aktion entgegenstellen, die darauf abziele, Stabilität und Sicherheit zu erschüttern und Anarchie zu verbreiten. Im Libanon verurteilten Staatspräsident Emile Lahoud und Ministerpräsident Rafik Hariri den Anschlag scharf.

Zuletzt hatte es im März im Norden Syriens gewaltsame Zusammenstöße zwischen Kurden und Arabern gegeben, bei denen mindestens 14 Menschen getötet wurden. Zusammenstöße zwischen islamischen Fundamentalisten und dem laizistischen Baath-Regime liegen mehr als 20 Jahre zurück. 1982 schlugen Sicherheitskräfte einen Aufstand der Moslembrüder nieder und zerstörten große Teile der Stadt Hama. (APA/AP)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Polizei und Feuerwehr vor dem brennenden UN-Gebäude in Damaskus

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