Die Wahrheit im Eishockey und das Bier

29. April 2004, 14:54
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Schon vor dem Spiel gegen die Schweiz standen einige Österreicher statistisch gesehen sehr gut da. Andere Statistiken sind vorsichtig zu genießen

Angeblich hat Winston Churchill nicht nur "no sports" gesagt, sondern auch: "Ich glaube nur an Statistiken, die ich selbst gefälscht habe." Jene Statistik, auf die sie in Tschechien ganz besonders stolz sind, gibt Churchill Recht. Biermäßig gesehen sollen die Tschechen die größten Tschecheranten sein, 162 Liter pro Kopf und Jahr wurden 2003 errechnet, da hatten Iren (146), Deutsche (123) und Österreicher (112) scheinbar keine Chance. Doch natürlich - Churchill, schau obe - täuscht die Statistik. Schließlich wird jedes Krügerl, das zum Beispiel ein Österreicher zum Beispiel während einer Eishockey-WM in Prag kippt, den Tschechen zugerechnet, und da dürften etliche Biere zusammenkommen.

Von Eishockey hatte Churchill keine Ahnung, hätte er eine gehabt, so hätte er sich beide Sprüche vielleicht überlegt. Das Eishockey kennt nur eine Wahrheit, und diese Wahrheit heißt Statistik. In Nordamerika, in der National Hockey League (NHL), halten sie seit Jahren fest, was nur irgend festzuhalten ist. Und so weiß man dort zum Beispiel ganz sicher, welcher linke Flügel in Playoff-Spielen, die in die Verlängerung gingen, die meisten Powerplay-Tore mit der Backhand erzielte.

Längst sind die Statistiker auch in Europa daheim, auch bei der Eishockey-WM werden diverse Listen aller Mannschaften und Spieler erstellt, und seltsamste Abkürzungen zieren jede dieser Listen. GP für games played, G für goals, A für assists, PTS für points, PP für Powerplay goals, SH für Short-handed goals, GW für game winning goals, GT für game-tying goals, S für shots on goal. So weit, so gut.

Genauere Erklärung verdient die so genannte Plus-Minus-Statistik: Sie rechnet jedem Spieler jenen Toren, bei denen er auf dem Eis stand, die Gegentore ab. Im schlechteren Fall ist man also wie auf der Bank - apropos Bank: PIM steht für penalty minutes - im Minus, im besseren Fall im Plus. Vor der Schweiz-Partie hielt Thomas Vanek nach einem Tor (G) und vier Assists (A), fünf Punkten (PTS) also, auch in der Plus-Minus-Statistik bei plus fünf - was gleichzeitig bedeutet, dass er bei keinem der zwei kanadischen Treffer auf dem Eis stand. Nur zum Vergleich - die besten Tschechen rangierten nach zwei Partien bei plus drei.

Von den Österreichern konnten sich auch Matthias Trattnig (+4), Andre Lakos, Martin Ulrich und Dieter Kalt (je +3) sehen lassen, im Minus waren Thomas Koch, Daniel Welser und Oliver Setzinger, die den Kanadiern zweimal beim Scoren quasi zugesehen hatten. Mit den Goalies ist es eine eigene Geschichte, hier ergibt die Zahl der Gegentore (GA) und der "Saves" (SVS) die so genannte Saves-Percentage (SVS%), die im Falle Reinhard Divis nach zwei Matches 95,45 betrug.

Zum die Statistik verfälschenden österreichischen Bierkonsum in Tschechien könnte dieser Tage auch eine beinahe hundertköpfige Delegation beitragen, die WM 2005 (Wien, Innsbruck) wirft ihre Schatten voraus. Nur noch achtköpfig war dann das Podium bei der Pressekonferenz, freilich wurde nicht nur über den Kartenvorverkauf und die Kartenpreise und die Auslosung (am 12. Mai, Innsbruck), sondern sehr viel auch über den Tiroler Fremdenverkehr gesprochen.

Die Tschechen ihrerseits halten sich mit Volksreden, aber vor allem mit dem Bierkonsum in Österreich einigermaßen zurück. Die Iren setzen sowieso verhältnismäßig viele Gasttrinker ein - freilich sei der Fairness halber auch erwähnt, dass dem Österreicher bei seinen angeblich 224 Krügerln im Jahr der eine oder andere Deutsche oder auch Schwede (vor allem im Winter) nicht ungern zur Hand geht. Eine bereinigte Statistik wäre interessant, aber das spielen sie halt nicht. (Fritz Neumann aus Prag - DER STANDAR PRINTAUSGABE 28.4. 2004)

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    Tschechiens Jaromir Jagr (links), Klubkollege von Thomas Pöck bei den New York Rangers, schießt das erste Tor zum 7:0 gegen Kasachstan. Tschechien und Österreich begegnen einander in der Zwischenrunde.

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